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Bettinawe
 
Wir kommen nicht durch zum Kind - 27.04.2008, 21:50

Hallo, liebe Eltern hier im Forum,
bin zum ersten Mal hier und erhoffe mir Eure Hilfe und Unterstützung, da ich selbst noch nicht Mama bin und - zugegeben - von vielen Erziehungsfragen nicht viel Ahnung habe.
Mein Lebensgefährte ist Vater eines 9jährigen Sohnes, hatte aber aufgrund eigener Lebensschwierigkeiten sechs Jahre lang keinen Kontakt zu ihm. Seit 4 Monaten nimmt er seine Besuchsrechte wieder wahr und versucht ehrlich, seinem Sohn jetzt ein guter Vater zu sein. Der Erstkontakt war positiv und in den ersten Wochen sind wir beide mit dem Kind gut zurechtgekommen (er ist jetzt jedes zweite Wochenende bei uns). Uns ist aber von Anfang an aufgefallen, daß der Bub überhaupt nichts von sich erzählt, weder von der Schule, noch von Hort, nicht von seinen Freunden, nichts davon was ihm Spaß macht - überhaupt nichts. Zuerst dachten wir noch das wird sich geben wenn er uns mal besser kennt - und es ist für da Kind sicher auch nicht leicht erst mit 8 1/2 Jahren seinen Vater kennen zu lernen. Daher dachten wir, er braucht wahrscheinlich nur Zeit und das wird sich schon noch geben. Wir haben an den Besuchswochenenden oft was mit dem Buben unternommen (eislaufen, Schwimmbad, Kino, Billard spielen)und auch sonst versucht, möglichst auf ihn einzugehen. Leider ist seine Begeisterung für jegliche Aktivität nur von kurzer Dauer, egal ob es sich jetzt um ein Brettspiel, einen DVD-Film ansehen, zeichnen oder sonst was handelt. Wenn der Bub bei uns ist will er nur ständig vorm Computer sitzen und im Internet surfen. Da waren wir anfangs auch sehr großzügig, da er zu Hause keinen PC und kein Internet hat. Wir haben auch immer wieder nachgeschaut ob das, was er da spielt, auch seinem Alter entspricht (so weit man das halt als Laie beurteilen kann). Beim letzten Besuch vor zwei Wochen sind wir aber draufgekommen, daß der Bub immer wieder heimlich auf Pornoseiten surft, die er dann schnell wegklickt wenn einer von uns reinkommt. Wir haben ihn daraufhin gefragt warum er das tut und was ihm denn an diesen Seiten so gefällt. Seine Reaktion war, daß er sich 1 1/2 Stunden am Klo eingesperrt hat und auch nachher nicht bereit war darüber zu reden oder uns auch nur anzusehen (er hat sich eine Decke über den Kopf gezogen). Mein Freund und ich haben dann versucht, ihm zu erklären daß er noch zu jung für solche Seiten ist und daß wir nicht wollen daß er auf diesen Seiten surft weil er da Dinge sihet, die er nicht richtig einordnen kann. Wir haben eben versucht, darüber mit ihm zu reden ohne ein Drama draus zu machen, aber das hat er schon gemacht. Da wir beide kaum praktische Erfahrung im Umgang mit Kindern haben sind wir insgesamt jetzt ziemlich verunsichert. Fürs Internet haben wir mittlerweile eine Kindersicherung installiert, aber damit sind die Probleme noch nicht behoben. Dieses Wochenende aht der Bub verweigert, bei uns zu übernachten und er wollte nicht mal in die Wohnung mitgehen oder mich sehen. Mein Lebensgefährte ist dann mit ihm allein ins Kino gegangen und hat versucht, herauszubekommen warum er nicht bei uns schlafen wollte und nicht in die Wohnung bzw. zu mir will - ohne Erfolg. Vielleicht ist es noch der Scham vom letzen Mal, keine Ahnung, da tappe ich total im dunkeln. Es ist insgesamt sehr schwer mit einem Kind zu reden daß allen 10 Minuten seine Meinung ändert, aber auch die Ablehnung tut mir und meinem Freund weh.
Hat vielleicht jemand von Euch Erfahrung mich solchen Verhalten und was man tun kann?Daß es langwierig werden wird ist uns mittlerweile klar, aber sowohl mein Lebensgefährte als auch ich wollen den Konakt nicht wieder abbrechen lassen. Mit der Mutter des Kindes haben wir zwar versucht zu sprechen, aber sie tut als wäre das alles nicht so tragisch.
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Benutzerbild von BirgitSe1
BirgitSe1
 
27.04.2008, 22:58

Hallo!

Ich glaube, für den Jungen ist es ganz, ganz schwierig, richtiges Vertrauen zu fassen. Schließlich hatte er 6 Jahre keinen Kontakt zu seinem Vater.

Ich würde ihm die Zeit geben, die er braucht. Das geht manchmal auch nicht nach Wochen oder Monaten, manchmal braucht das Jahre.

Oje, da habt ihr jetzt alle 4 was vor euch.

Ich wünsche euch, dass ihr alle lernt, einander zu vertrauen. Und: Gebt euch Zeit!

Liebe Grüße,

Birgit
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angie81
 
27.04.2008, 23:20

liebe Bettina,
wie ihr das mit den Pornoseiten gelöst habt finde ich sehr gut, es ist wichtig mit ihm darüber zu sprechen und es nicht nur zu verbieten ohne einen Grund anzugeben. Natürlich ist es schwierig für dich, nun von ihm abgelehnt zu werden, aber versetz dich mal in seine Situation. Ich denke, wenn du dich in seine Situation einfühlen kannst siehst du vieles besser. Wichtig ist nun mal, dass er einen Draht zu seinen Vater findet. Das wird sicherlich eine Weile dauern, wir vertrauen ja auch nicht uns fremden Personen unser Leben/unsere Gefühle etc. an. Du wirst sehen, wenn die Beziehung zwischen Vater und Sohn gefestigter ist, kann der Kleine in Folge auch mit dir näheren "warm werden". Wichtig ist vor allem, dass ihr ihn nicht zwingt mit euch was zu unternehmen, bei euch zu schlafen usw. Gebt ihm zu verstehen, dass ihr euch über seinen Besuch/einen gemeinsamen Nachmittag sehr freuen würdet, aber er es entscheiden kann ob er es annimmt oder nicht.

Wird schon werden, da bin ich mir sicher. Lasst ihm Zeit...

alles liebe
ina
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Benutzerbild von anamama
anamama
 
27.04.2008, 23:25

das was grad abläuft ist ein gefühlmäßiger Wahnsinn fürs Kind. Gleich bei Fremden übernachten, und fremde seit ihr.
Er hatte ein Bild vom vater, ei zu 100% viel zu rosiges, tolles, unrealistisches. Mit dem ist er zu euch gekommen, und was findet er 2 Menschen, normale , durchschnittliche - verdammt enttäuschend.

Die Pornoseite = Zufall=Neugier - was kommt heraus: die Fremden wollen erzieherische Gespräche führen, nochdazu mit roten Ohren, peinlich berührt, na da muß man sich doch ins Clo sperrn.


Ich würd nicht Wochenende und übernachten machen , sondern ihn immer weider zwischendurch sehn. Abholen von der Schule,... und noch ein eis essen oder am Spielplatz, oderskaten gehn ,... und dann nach Haus zur Mama. Oder mal unter der Woche treffen zum HÜ machen oder abprüfen, oder Schuhe kaufen.




Zeit, Zeit und nochmal Zeit ist nötig.
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(#5) [Permalink]
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Bettinawe
 
27.04.2008, 23:56

Danke für Eure Antworten. Da kann ich nur dazu sagen daß das genau ist, was wir wollen: ihn zu nichts zwingen. Ist nur schwierig wenn er von sich aus sagt er möchte bei uns schlafen und dann am Abend auf einmal daß er sofort nach Hause möchte (hatten wir mittlerweile 3x (nicht unmittelbar nacheinander), wobei wir ihn 2x nach Hause gebracht haben und beim 3. Mal hat er es sich dann doch wieder anders überlegt und wollte doch bleiben. Und genau das ist es, was mich so unsicher macht: ich weiß überhaupt nicht was das Kind wirklich will und hab auch keine Ahnung wie wir das jemals rausbekommen werden.
Dazu kommt noch, daß es seiner Mutter sehr recht ist daß der Bub übers Wochenende bei uns ist (was ich ihr auch zugestehe!) und ich vermute mal daß diese Übernachtungen von ihr aus gehen, was ich aber auch nicht sicher weiß.
Die Pornoseiten dürften übrigens keine einmalige Neugierde-Angelegenheit gewesen sein, denn als wir im Nachhinein den Verlauf kontrolliert haben waren da jede Menge einschlägige Suchbegriffe, und zwar Worte die ein Neunjähriger eigentlich nicht kennen sollte (oder ich bin so naiv, das so zu sehen).
Dazu kommt noch daß der Bub offensichtlich kaum Freunde oder sonstige soziale Kontakte haben dürfte, bei allen unseren Unternehmungen anderen Kindern aus dem Weg gegangen ist und nicht nach Minopolis wolle "weil dort so viele Kinder sind". Kann daran liegen daß er stark übergewichtig ist und wahrscheinlich entsprechend gehänselt wird.
Wenn er bei uns ist, ißt er sehr viel und wir haben ihm da von Anfang an nichts in den Weg gelegt, da wir gesagt haben er wird sein Übergewicht (66kg mit 9 Jahren)wahrscheinlich nicht los weil wir ihn 2 x im Monat einschränken. Wir haben uns halt daruaf beschränkt, mehr gesunde Lebensmittel da zu haben, was er auch annimmt, aber die Menge ist trotzdem einfach zu viel (nach Ham&Eggs zum Frühstück 3 Fastenfruchtjoghurt nach, dann noch selbst mitgebrachte Zuckerl und anschließend die Frage was es zum Mittagessen gibt).
Mein Freund und ich sind beide sehr weltoffene Menschn, nur haben wir eben kaum Erfahrung mit Kindern. Im Moment ist es leider so, daß wir eher schon Angst haben was beim nächsten Mal wohl passiert als uns auf die Treffen zu freuen. Mir ist klar daß es wahrscheinlich nicht gut ist wenn der Bub unsere Unsicherheit spürt, aber ich fürchte es wird sich nicht ganz vermeiden lassen.
Zeit wollen wir ihm (und uns) auf jeden Fall lassen. Aber es wäre schon viel einfacher zu wissen was das Kind wirklich will (bei uns sein oder nicht, bzw. wie oft).
Danke für Eure Antworten!
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(#6) [Permalink]
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Benutzerbild von anamama
anamama
 
28.04.2008, 00:25

Die ich will, ich will nicht Aktionen sind durchaus altersypisch. auch es dochnicht schaffen zu übernachten. - Wichtig wär, wenn Mutter euch sagt wie sies will/braucht, denn wenn sie nicht zu Haus ist, dann muß er bei euch schlafen. wenn sie da ist, kann er auch heim, aber für mich der letzte Ausweg.


Was ihr unternehmen könnt: ich würd vielfalt anstreben, denn so merkt ihr am ehesten was seins ist. Viel Natur einplanen - Piknik, grillen, Bach herumbuddeln, ....
aber auch Kino oder Spieleabend oder Dvds ansehn, basteln zb ein Ferngesteuertes Auto bauen oder ein Boot - davor sollte man schon herausfinden ob ers mag und kann, sonst bastelt Papa allein

Übergewicht macht Menschenscheu, aber nicht alle die lieber wenig Menschen um sich haben sind übergewichtig.
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(#7) [Permalink]
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Benutzerbild von meraner
meraner
 
28.04.2008, 00:46

ich denke, wenn ihr eh wisst, dass ihr zuwenig ahnung von kindern habt, dann kauft euch auf jeden fall einemal ein buch. jesper juuls ist gut, also der author; und das buch "kinder brauchen grenzen" kann ich sehhhhhr empfehlen.

das mit dem essen: es ist keine gute idee ihm ungesundes essen zu geben. es geht nciht darum, dass er abnimmt wenn er bei euch ist, sondern darum authentisch - also echt und ehrlich - zu sein. wenn ihr erkennt, dass das ungesund ist, dann duerft ihr ihm nix ungesunges geben.
es ist vielleicht das wichtigste als elternteil oder erwachsene vertrauensperson authentisch, logisch nachvollziehbar und kalkulierbar zu sein.
eure grenzen muessen klar sein.
eure regeln genauso.

ihr muesst ihm keine gefallen machen, damit tut ihr ihm keinen gefallen sondern uebel.

ich denke, ihr solltet internet und DVD ruhig weitermachen, aber nicht so, dass er alleine dabei ist, sondern gemeinsam. nicht als kontrolleure, sondern weil man auch gemeinsam tv schauen und internet lesen kann. so koennt ihr seine interessen auch kennenlernen.

das ist doch das ziel jetzt: kennenlernen. also macht das, was er gerne macht gemeinsam und urteilt nicht darueber sondern tauscht eure meinungen aus.

und bzgl. wissen was das kind will und was nicht: da verlangt ihr zuviel. es ist ein KIND! die entwickeln sich so schnell, die wollen einen tag das, den anderen was anderes. eines ist klar: kind will vater kennenlernen und sich geliebt fuehlen.

und das geht am besten mit persoenlicher aufmerksamkeit, zeit allein mit sohnemann (nur vater mit sohn mein ich, ohne dich) und klaren vorgaben von euch, bzw. klaren absprachen mit kind.

lg
liz
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(#8) [Permalink]
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Andrea0815
 
28.04.2008, 07:36

Ich glaube nicht, dass so eine schwierige Konstellation so einfach zu erklären und zu handhaben ist.

Wenn ich mich jetzt spontan in das Kind hineinversetze, kann ich es verstehen.

Er hatte viele Jahre keinen Kontakt zu seinem Vater, hatte mit Sicherheit oft und oft das Gefühl, dass sein Vater an ihm nicht interessiert ist, dass er ihm egal ist, etc.

Plötzlich taucht Daddy auf, gleich mit Frau an der Seite und es wird von ihm erwartet, dass ER sich anpasst an die neue Situation. ER konnte all die Jahre nichts dazu beitragen, seinen Vater kennenzulernen, hat damit leben müssen, dass er nicht existent ist oder einfach nicht existent sein will.

Wie anders als mit Hilfosigkeit und Zurückziehen sollte er sich wehren? Er wurde ja nicht gefragt. Und ob er da oder dort schlafen möchte, ist keine Grundsatzfrage für eine verletzte Kinderseele. Da spielt viel Neugierde und Experimentierfreude dahinter. Die Idealvorstellung, die er vom unbekannten Vater hatte, ist mit Sicherheit nicht erfüllt. Er wird festgestellt haben, dass er auch ein normaler Mensch ist, und das erschreckt ihn vielleicht?

Vielleicht will er auch bewusst provozieren, um zu testen, ob Vater bleibt oder sich wieder zurückzieht? Es ist ein verdammt harter Grenzgang für dieses Kind, das noch Kind ist, aber schon so viel Erfahrung gemacht hat in Bezug auf Verlassenwerden.

Warum hat sich sein Vater eigentlich nicht um ihn gekümmert all die Jahre?
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(#9) [Permalink]
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Nessylein
 
vertrauen in den vater - 28.04.2008, 13:01

Hallo !

Der Bub war ja schon 4 1/2 wenn ich richtig rechne als sich Dein Freund nicht mehr gemeldet hat. Wie furchtbar muß das für ihn gewesen sein. ich kann dir nicht wirklich viel Hoffnung machen das das schnell gehen wird das er wieder Vertrauen fassen wird, wenn das überhaupt möglich ist.
Sein Papa hat ihn verlassen, hat ihn nicht genug lieb gehabt. Mich wundert das er überhaupt bei Euch geschlafen hat.
Sowas zu verarbeiten dauert Jahre, und irgendwas bleibt immer zurück, so eine Art innere Vorsicht das man sich nicht an jemanden bindet der einem so wehgetan hat.
Laßt Ihm Zeit, aßt ihn entscheiden wann er kommen mag und sein Papa muß ihm zeigen das er auch wenn er schlimm ist oder nicht so tut wie er will immer frü ihn da ist. Das was jetzt läuft ist so ne Art Testzeit. Der Sohn Deines Freundes testet aus ob er jetzt vertrauen kann das sein Papa immer zu ihm steht. Da muß er jetzt durch. Den Kontakt abzubrechen wäre fatal für das leben des Buben.
Ich würde mir eine Familientherapie überlegen wenn es für Euch zu arg wird.
Ich würde aber auf alle Fälle ganz ehrlich mit meinem Sohn sprechen, ihm immer wieder sagen wie leid es mir tut das ich mich so lange nicht gemeldet habe und das ich jetzt aber immer dableiben werde.

Liebe Grüße und viel Kraft !!!
Nessy
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(#10) [Permalink]
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Bettinawe
 
28.04.2008, 18:49

Hallo, vielen Dank für die Antworten. Nessylein, der Bub war ca. 2 Jahre alt als der Kontakt abgebrochen ist (einige Monate nach der Scheiung von seiner damaligen Frau) . Das lag daran daß mein Freund viele Jahre ein massives Alkohol- und Drogenproblem hatte und da er laut Scheidungsurteil das Kind alkoholisiert ohnehin nicht haben durfte (verständlicherweise!) sind die Besuche immer seltener geworden und dann ganz ausgeblieben. Mittlerweile hat mein Freund einen stationären Entzug hinter sich und geht in eine Selbsthilfegruppe um nicht rückfällig zu werden. Das erste Jahr nach dem Entzug war sehr hart für meinen Freund, da er erst lernen mußte, ohne Alkohol und Drogen zu überleben. Auch in dieser Zeit war er noch nicht imstande, für seinen Sohn da zu sein, und der Wunsch danach kam erst nach und nach mit wachsender Genesung seinerseits. Ich weiß daß das KEINE RECHTFERTIGUNG ist, sich nicht ums eigene Kind zu kümmern aber so war es leider nun einmal und wir können daran nichts ändern.
Wir haben auch nicht vor den Kontakt wieder abzubrechen! Im Gegenteil, wir könnten uns auch vorstellen ihn zum Beispiel mal mit in Urlaub zu nehmen und auch außerhalb der Besuchswochenenden was mit ihm unternehmen, soweit das seiner Mutter recht ist.
Mein Freund hat sich auch beim Buben dafür entschuldigt daß er sich so lange nicht um ihn gekümmert hat und ihm auch in schwierigen Situationen (wie z. B. beim Gespräch über die Porno-Internetseiten) immer wieder gesagt daß er ihn lieb hat, auch wenn mal was nicht so gelaufen ist wie wir´s uns gewünscht hätten!
Auch daß er Alkohol und Drogenprobleme hatte hat er dem Buben gegenüber angesprochen, nicht weil er stolz drauf ist sondern weil wir beide der Ansicht sind daß Authentität und Ehrlichkeit immer (und gerade jetzt) besonders wichtig sind im Umgang mit einem Kind. Das hat der Bub auch ohne erkennbare Probleme aufgenommen und ich glaube immer noch, das es richtig war dieses heikle Thema auch mal anzusprechen (auch wenn die Mutter des Kindes das nicht verstanden hat).
Unsere Unsicherheit betrifft in erster Linie den unmitttelbaren Umgang mit dem Buben. Bisher haben wir instinktiv so gehandelt daß wir ihn zu nichts gezwungen haben wenn es nicht unbedingt nötig war. Kein Ahnung ob das wirklich gut ist oder ob man auch mal sagen sollte "Du gehst jetzt mit uns spazieren, ob Dir das paßt oder nicht!" (was mir gefühlsmäßig total gegen den Strich geht). Aber wo ist die Grenze? Nach Abspreche mit der Mutter haben wir z. B. die Schlafensgehenzeit (samstags) von 9h auf 10h hinaufgesetzt (kommt mir eher spät vor für dieses Alter, aber ich bin da ziemlich ahnungslos was da heute bei einem 9jährigen üblich ist). Als er aber um 10h immer noch nicht ins Bett wollte und wir daruaf beharrt haben daß es jetzt Zeit zum schlafen gehen ist (natürlich ohne Geschrei oder Gewalt) wollte er auf einmal wieder heim. Kommt mir ganz so vor auls würde er austesten wie weit er bei uns gehen kann. Und da stellt sich die Frage: seinem Willen nachgeben und ihn länger aufbleiben lassen oder stur bleiben auch auf die Gefahr hinauf daß ihm das nicht paßt und er nach Hause will? Was tun wenn er nach Hause will? Ihn sofort ohne weiteres Komentar heimbringen (machen wir´s uns damit nicht zu leicht?), versuchen mit ihm zu reden WARUM er nach Hause will (haben wir bisher immer gemacht) oder gleich klarstellen daß er nicht nach Hause darf (wiederstrebt mir)?
An Meraner: wir kommst du auf die Idee daß wir ihm ungesundes Essen geben? Er darf sich bei uns aus dem Kühlschrank bedienen wir auch zu hause und wir haben da ganz normale Lebensmittel drin - mehr oder weniger gesund. Z. B. finde ich Käse an sich nicht ungesund aber eine Packung Käse ohne Brot zwischen dan Mahlzeiten schon. Diät-Fruchtjoghurt ist meiner Ansicht nach gesund, aber 3 Becher nach dem Frühstück eben auch nicht. Und wenn wir mal essen gehen bestellt er sowieso eine Riesenpizza oder Wiener Schnitzel mit Pommes und Cola und wenn´s geht noch ein Eis danach. Sollen wir ihm das verbieten? Unsere Hauptmahlezeiten sind sicher nicht so ungesund und frisches Obst für zwischendurch gibt´s bei uns auch immer. Bei uns stehen auch keine Knabbereien überall rum (wie bei ihm zu Hause) und eigentlich ißt er dieselben Dinge wie wir nur halt viel zuviel. Du schreibst von gemeinsamen Aktivitäten. Genau das wollen wir, aber er will halt nur allein vor dem PC sit´zen und spielen und einem Kind stundenlang beim PC-Spielen zuschauen kann´s ja wohl nicht sein. Andere Vorschläge lehnt er meistens ab oder verliert schon nach kurzer Zeit das Interesse.
Nur Vater und Sohn allein ist auch OK, aber da wir das Kind auch gern mal auf Urlaub mitnehmen wollen (wenn sich der Kontakt gefestigt hat) und mein freund und ich eine gemeinsame Wohnung haben möchte ich schon auch einbezogen sein - nicht immer aber immer wieder!
Danke auf jeden Fall allen für Eure Vorschläge, daß es nicht leicht wird ist uns schon klar, aber der Kontakt ist uns wichtig und wir wollen ihn - wenn es irgenwie geht - auch weiter beibehalten und vertiefen.
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(#11) [Permalink]
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Nessylein
 
Wegen der Grenzen... - 28.04.2008, 21:01

Ich finde Du erklärst das sehr gut....hättest Du nicht müssen, ist aber leichter es daher zu verstehen. Ich denke auch wenn ich der Meinung bin das man dem Sohn immer wieder klarstellen soll das man ihn sehr lieb hat und das Ihr auch wenn er schlimm ist immer liebgehabt wird solltet Ihr auch Grenzen setzen. Ich würde z.B bei den Besuchen immer fixe Dinge zu zweit einplanen...gemeinsame Erlebnisse schaffen Vertrautheit....nehmt Euch vor gemeinsam schwimmen zu gehen, Fußball spielen u.s.w . Es wäre auch sehr von Vorteil wenn sein Papa ihm dabei einerseits als Vorbild zur Verfügung steht und er gleichzeitig auch Anerkennung von Ihm bekommt (auch wichtig in dem Alter). Dadurch ergibt sich auch das mitm Computer nicht so stark. Ihr solltet gemeinsam erarbeiten wie lange es sinnvoll ist am Pc zu sitzen und auch die Unternehmungen gemeinsam zu planen (mit ihm). Gut wäre auch wenn Ihr ganz klar sagt wenn Du heim willst kannst Du heim auch wenn wir uns wünschen würden Du bleibst da und es dann auch druchsetzt, denn er wird es maximal 2-3 mal so sein. Auch Grenzen zeigen ist eine Art zu zeigen das man ihn liebt. ER wird Euch sicher viel testen und es wird manchmal sehr schwer sein, aber er ist es wert !!!
Ich würde auch nochmals mit der Mutter reden, denn nur wenn sie auch nicht schlechtredet was ihr macht usw habt ihr eine realistische Chance.
Ich würde ihn auch mal fragen wie er sich die Zukunft vorstellt mit Euch. Laßt Ihn auch wissen das es für Euch manchmal schwer ist aber ihr Euch sehr freut das ihr ihn habt und das ihr es gemeinsam schon schafft, auch Eltern müssen nicht perfekt sein !!!
Außerdem würde ich schaun das ihr immer gemeinsam vorm PC sitzt denn gemeinsam zu schaun ist in diesem Alter immer besser....auch mit Kindersicherung (grad in den Kinderchats tummeln sich oft Perverse) und dann wird es auch weniger interessant für ihn sein dort zu sitzen.
Naja...hoffe es hilft Dir etwas !
Würde mir überlegen eine Konsole heimzutun bei der ihr gemeinsam spielen könnte (eventuell sowas sportliches....).
Liebe Grüße
Nessy
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(#12) [Permalink]
Alt
rivane
 
28.04.2008, 21:19

weil du ja geschrieben hast, dass er nicht so gerne was unternimmt wo andere kinder sind, da fände ich einen theaterbesuch total ideal. da sieht man die anderen nur am anfang und dann wirds dunkel..
schau mal: www.dschungelwien.at zum beispiel. vielleicht daugt ihm auch das WUK (9.bezirk), da gibts auch immer wieder dinge in sachen kinderkultur für alle altersstufen.
und von der wien extra kinderinfo kann man sich einen newsletter bestellen, da gibts dann auch immer wieder infos was grad so los ist.
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(#13) [Permalink]
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Benutzerbild von alasse
alasse
 
28.04.2008, 21:25

Zitat:
Als er aber um 10h immer noch nicht ins Bett wollte und wir daruaf beharrt haben daß es jetzt Zeit zum schlafen gehen ist (natürlich ohne Geschrei oder Gewalt) wollte er auf einmal wieder heim.
Uh, ihr habt einen ganz schön großen Rucksack zu tragen... Ich kann ja zu eurer Konstellation nicht mal ansatzweise Erfahrungswerte schreiben, auch sind meine Kinder erst 3 Jahre alt.

Oben zitierte Passage ist aber etwas, was bei Kleineren natürlich auch schon vorkommt. Hier versuche ich immer, es irgendwie so zu drehen, dass sie auch Verantwortung übernehmen können. Gezielt hier z.B. würde ich es so aufhängen, dass ich/wir Erwachsenen wollen, dass er schlafen geht, weil wir am Abend noch Zeit alleine haben möchten / weil wir denken, dass es für ihn spät genug ist / weil wir morgen Vormittag etwas gemeinsam unternehmen wollen / etc. Ihm Vorschläge machen und ihn fragen, wie er sich einen Kompromiss vorstellen könnte. Lesen im Bett? Musik hören im Bett? Und Licht abdrehen, wenn selbst müde. Ihn fragen, was ihm noch wichtig ist, bevor er schlafen geht, ob man ihm dabei helfen kann. Fragen, ob das ein Punkt ist, wo er sich immer schon ärgert / warum er sich ärgert / ob seine Bedürftnisse da nicht ernst genommen wurden.

Neben Jesper Juul empfehle ich euch noch mehr die "Familienkonferenz" von Thomas Gordon, da wird auf die Technik des "aktiven Zuhörens" eingegangen und gezeigt, wie man das Vertrauen von Kindern bekommen bzw. halten kann, indem die Bedürftnisse beider Seiten zu Wort gebracht und zu einem Kompromiss verhandelt werden!

Zu der Pornosache fällt mir nichts ein, dafür sind meine Beiden noch eindeutig zu klein.

Ich wünsch euch viel Kraft, klingt sehr anstrengend.
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(#14) [Permalink]
Alt
Benutzerbild von Ellinor
Ellinor
 
28.04.2008, 21:57

Zitat:
Zitat von Bettinawe Beitrag anzeigen
Mir ist klar daß es wahrscheinlich nicht gut ist wenn der Bub unsere Unsicherheit spürt, aber ich fürchte es wird sich nicht ganz vermeiden lassen.
Ich persönlich finde es okay, wenn ihr ihm gegenüber auch zugebt, manchmal unsicher zu sein. Du beschreibst sehr gut und glaubhaft, dass ihr authentisch seid, wo es geht. Auch hier denke ich, könnt ihr ruhig mal sagen: "Ich weiß jetzt nicht, was ich tun soll." oder etwas in der Art.
So wie du eure Situtation beschreibst, klingt das sehr engagiert. Ihr habt viel Kraft und Mut, euch gemeinsam auf den Buben einzulassen. Ich bin davon überzeugt, dass er das auch spürt. Auch, wenn er wahrscheinlich massiv verunsichert und durchgerüttelt ist, ist diese Erfahrung einfach heilsam.

Das Essen hätte für mich persönlich zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht Priorität. So wie deine Beschreibungen klingen, ist das völlig okay. Pizza, wenn auswärts. Zu Hause das, was ihr esst. Klingt völlig stimmig.

Alles Gute!
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(#15) [Permalink]
Alt
Bettinawe
 
30.04.2008, 08:35

Hallo, vielen Dank für Eire Rückmeldungen.
Was den Kinderinfo-Newsletter betrifft werde ich den bestellen weil Vielfalt sicher besser ist als immer dasselbe machen. Außerdem kommt vom Kind letzte Zeit fast immer "Kino" als Aktivitätswunsch und da bin ich auch nicht sicher ob´s ihm wirklich so gefällt oder ob´s damit zusammenhängt, daß er weiß er kriegt dann Popcorn und Cola (statt Obst und Verdünn-Saft bei uns).
Das mit dem PC sehe ich als größeres Problem. Der PC steht in einem kleinen Zimmer und ich kann es mir in der Praxis nicht vorstellen, da die ganze Zeit daneben zu stehen (es gibt nur eine Sitzgelegenheit unmittlbar vor dem PC - und da sitzt natürlich der Bub). Natürlich lassen wir ihn nicht die ganze Zeit allein am PC, die Tür zum kleinen Zimmer ist immer offen und wir schauen alle paar Minuten mal nach was er macht.
Hin und wieder will er auch was anderes machen (z. B. hat er mal gemeinsam mit meinem Freund gezeichnet) aber meistens ist halt der Computer am interessantesten. Die PC-Kindersicherung ist auch auf Zeitlimits einstellbar, aber ich habe keine Ahnung ob es sinnvoll ist, die PC-Zeit zu limitieren.
Es gibt so viele Dinge, von denen wir beide keine Ahnung haben. Ich stelle mir vor daß es beim eigenen Kind manchmal leichter wäre weil man das doch viel besser kennt. Da hätte ich auch kein Problem zu sagen "Am Wochenende sind PC-Zeit und Fernseh-Zeit auf je 2 Stunden am Tag beschränkt". Bei meinem Freund kommt noch das schlechte Gewissen dazu daß er so viele Jahre als Vater nicht verfügbar war und ihm fällt es noch schwerer als mir, Grenzen zu setzen.
Da wir beide (mein Freund und ich) von Natur aus im Umgang miteinander ruhig und offen sind, verhalten wir uns auch dem Kind gegenüber so. Einmal hat mein Freund in einer "Ich-will-sofort -wieder-nach-Hause"-Situation zum Bub gesagt "Es ärgert mich wenn du so redest! Du weißt, daß wir dich nicht zwingen und du jederzeit nach Hause darfst wenn es von der Mama aus auch geht, obwohl ich mich immer freue, wenn du bei uns bist. Aber ich weiß bei Dir nie was wirklich los ist und du sagst mir nie WARUM du plötzlich nach Hause willst. Das ärgert mich und es tut mir weh." Diese Aussage hatte die Wirkung, daß es sich der Bub anders überlegt hat und dann doch bei uns bleiben wollte. Aber einige Stunden später hatten wir dieselbe Situation wieder.
Was jetzt verrückt klingen mag, aber ich habe trotzdem in allen Situationen das Gefühl daß der Bub eigentlich GERN bei uns ist und daß er uns BEIDE mag (seinen Papa natürlich noch mehr, aber das ist verständlich).
Danke auch für die Buchtipps, ich werde mir die Bücher "Familienkonferenz" und "Kinder brauchen Grenzen" mal auf jeden Fall kaufen und wir werden sie lesen.
DANKE für Eure oft lieben und aufmunternden Worte, werde mich wieder an Eurch wenden wenn sich was Neues ergibt.
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(#16) [Permalink]
Alt
nuschka
 
01.05.2008, 13:02

ich denke, es ist auch wichtig zu bedenken, dass grenzen setzen bzw. gesetzt bekommen auch für das kind bedeutet, dass es geliebt wird. kinder, die alles dürfen, haben oft auch das gefühl, dass sie den eltern egal sind. denn grenzen setzen, i.S. von bettzeiten festlegen, essensmengen, pc-spielzeiten begrenzen usw. heißt ja auch: mir liegt etwas an dir, deshalb möchte ich, dass du gesund bist und dass es dir gut geht.

wichtig ist, glaube ich, dass ihr wisst, was ihr wollt, und euch daran haltet. wenn es euch unangenehm ist, dass er so viel isst, dann sagt ihm, dass ihr nicht wollt, dass er so viel isst. aber dann auch jedesmal, wenn es euch stört. sprecht mit ihm darüber, aber nicht zu viel, manchmal ist es auch wichtig, schlussendlich nur nein zu sagen, wenn die diskussion ausufert.

ich glaube auch, dass er ein bisschen austestet, und das ist bei kindern ganz normal. und natürlich spielt er euch auch gegen seine mama aus und wahrscheinlich auch umgekehrt. da wäre es wahrscheinlich wichtig, dass ihr euch mit seiner mutter abstimmt (wie ihr es eh schon mit den schlafenszeiten gemacht habt). aber zusätzlich habt ihr eben auch eure vorstellungen und eure grenzen, die ihr ihm gegenüber erklären und einhalten müsst.

ich denke, besser, als pc-zeiten begrenzen wäre weiterhin unternehmungen organisieren. eben raus ins grüne, irgendeinen sport machen usw. woher soll er denn die eigenmotivation nehmen? zu hause hat er keinen pc, klar, dass das dann spannend ist. wenn er ohnehin soziale probleme hat, ist das der ideale rückzug. und da finde ich es auch ok, zu sagen, du kommst jetzt mit, das wird lustig, wir wollen nicht, dass du den ganzen tag vor dem pc sitzt, eben auch wenn er nicht will. wenn es dann jedesmal katastrophal ausartet, muss man sich natürlich etwas anderes überlegen. vielleicht kann man ihm ja anbieten, dass er am abend noch einmal spielen/surfen kann, und vorher besprechen, wie lange er sitzen will/darf/soll. ich glaube auch, dass er in einem alter ist, wo er selber mitbestimmen und hier durchaus auch vernünftige vorstellungen haben kann. diesbezüglich könntet ihr ja auch gemeinsam überlegen, was man unternehmen könnte, was euch allen spaß macht, bringt einige vorschläge, er kann auch etwas vorschlagen. wenn er zu allem nur nein sagt, dann sucht ihr eben alleine etwas aus.

ich denke auch, es ist eine kennenlernphase, erwarte also nicht zuviel. ihr könnt ja nicht sofort wie eine normale familie funktionieren - ihr müsst euch alle erst aneinander gewöhnen. der sohn deines lg spürt sicher, dass ihr unsicher seid, dass ihr euch bemüht, aber in vielen dingen nicht wisst, wie und was ihr tun sollt. das ist für ihn bestimmt komisch, so kennt er erwachsene / eltern wahrscheinlich nicht, und es verunsichert ihn auch.

insgesamt finde ich allerdings auch, dass es so klingt, als ginge es dem sohn deines lg nicht unbedingt ausgesprochen gut, was man anhand seiner geschichte auch gut verstehen kann. übergewicht, sozialer rückzug sind in dem alter schon hinweise, denen man nachgehen sollte. vielleicht könntet ihr einmal mit seiner mutter über psychologische beratung / unterstützung sprechen. in wien gibt es das institut für erziehungshilfe, das wäre eine gute anlaufstelle. dort könnte euch auch allen gemeinsam geholfen werden, wie diese neue lebenssituation von allen besser gemeistert werden kann. denn so, wie ich das sehe, sind bei euch alle davon überfordert: ihr beide, die mutter, und insbesondere der sohn deines lg.

alles gute!

Geändert von nuschka (01.05.2008 um 13:08 Uhr)
Mit Zitat antworten
(#17) [Permalink]
Alt
Livia
 
01.05.2008, 16:34

hi,

da schon recht viele gute kommentare von anderen hier gekommen sind, möchte ich nur ein paar gedanken ergänzen:
1.) der junge hat eine essstörung, es könnte vielleicht auch eine stoffwechselerkrankung wie diabetes dahinterstecken, was abgeklärt gehört.
allerdings ist dies in erster linie die aufgabe der mutter - ihr könnt sie darauf mal ansprechen, mehr aber nicht. (zurückhaltung und kooperationsbereitschaft sind nach alldem, was zuvor geschehen ist, nicht nur beim jungen sondern auch bei der mutter angesagt)
daher würde ich seinem essverhalten während der besuche keine priorität einräumen und in diesem bereich auch keine "grenzen setzen". in diesem bereich testet er nämlich seine grenzen bei euch gar nicht aus! er hat ein seelisches, eventuell sogar körperliches problem, das sich in seinem (fr)ess-verhalten ausdrückt.
ihr bietet gesunde nahrungsmittel daheim an und auswärts auch mal pommes, popcorn und co. finde ich ok, weil DAS WICHTIGSTE bei essstörungen ist, dass sie ein sekundäres symptom sind, das sich erst verlieren kann, sobald bekannt ist, welchen kummer der junge in sich hineinfrisst und weshalb er sich eine dicke schutzhülle anfressen muss, um seine umwelt ein stück mehr von seiner verletzten seele, die sich dahinter versteckt, fernzuhalten.
zumeist geht es dabei um das gefühl nicht angenommen zu sein, nicht bestätigt zu sein.
und genau da könnt ihr beide nun ansetzen, in erster linie der vater (du bist für den jungen derzeit nur beiwerk zu ihm, mit der er nun auch noch klarkommen muss - aber das kann sich mit der zeit ja ändern, sodass er in dir später mal eine freundin sieht, die er sehr gern hat)
fazit:
ihr seid nicht dazu da, um dem kind grenzen beim essen zu setzen - sondern das kind mit interesse an ihm, mit aufmerksamkeit, mit bestätigung, mit zuneigung zu füttern, damit die alten wunden heilen können.
genau das habt ihr vor und praktiziert es schon. einfach weitermachen und nicht aufgeben.
2.) das stundenlange hocken vor eurem pc hat zwei gründe: erstens hat er die möglichkeit daheim nicht (hast du geschrieben oder?) und zweitens ist es auch ein rückzugsort vor euch. wiederum eine art schutzbau, den er derzeit wohl auch noch benötigt:
der papa ist in der nähe, im hintergrund und zur kommunikation bereit, wenn ich auch dazu bereit bin, aber wenn es mir zuviel wird, kann ich mich via pc verstecken und zurückziehen.
wenn ihr beide oder nur der vater also ständig danebenhockt, um "mitzuspielen", ist ihm die rückzugsmöglichkeit (schutzfunktion) genommen. würde ich also nicht machen.
erinnere dich an die decke, die sich der bub übergezogen hat!! bildhafter kann er es ja gar nicht ausdrücken, was er in diesem moment brauchte - lasst mich in ruh bitte. ich bin überfordert, gerade ist es mir zuviel.
fazit: wenn der pc eine zeitlang "kaputt" wäre, wohin könnte sich der junge vor euch zurückziehen, wenn er distanz braucht?
(früher hatten kinder baumhäuser und genügend wildnis, um sich zu verstecken und von den großen mal ihre ruhe haben zu können)
3.) aus der arbeit mit depressiven weiß man: depressive können sich IM KONTAKT nicht abgrenzen und lassen es zu, dass das gegenüber körperlich, verbal und seelisch die eigenen grenzen übertreten kann. ziehen sich dann innerlich zurück, später vermeiden sie überhaupt kontakt. in der therapie gibt es eine nähe-distanz-übung: der klient bestimmt wie weit ich von ihm entfernt stehen darf, damit er sich gut fühlt, er kommt näher und geht zurück wie es ihm beliebt. er darf sich umdrehen und so jederzeit den kontakt beenden. das kinderspiel dazu heißt: "mutter wie weit darf ich reisen?" kennst das?
der kleine kerl ist in einer ähnlichen situation, wenn er bei euch zu besuch ist:
er will den kontakt zum vater (und zweitrangig auch zu dir), aber er ist sehr schnell davon überfordert. deinen schilderungen nach ist er ein gutmütiger - ihr macht ein programm und er macht bereitwillig mit, auch wenn es ihm eigentlich zuviel ist oder gar keine lust dazu hat. daher hört er so schnell wieder damit auf.
fazit: ihr seid jetzt nicht dazu da dem kind grenzen zu setzen!
ihr seid gefordert die grenzen des jungen zu erkennen und nicht zu übertreten. damit er vertrauen zu euch fassen kann und zu sich selbst.
eine schwere aufgabe, weil er euch seine grenzen nicht mitteilen KANN. er ist darin verletzt.
möchte er daheim schlafen? natürlich, sofort, wenn er will. mama anrufen und geht schon.
bevor ihr auch nur daran denken könnt, dem jungen eure grenzen zu setzen (früher hieß das erziehen), muss erstmal überhaupt ein vertrauensvoller kontakt vom buben zu euch hergestellt sein.
wenn er bei euch zu besuch ist, könnt ihr im eure alltagsrituale zeigen, eure umgangsformen miteinander vorleben. that´s it.

ehrlich gesagt: ob es nicht zu früh ist, den jungen das wochenende über zu sich holen. wenn er es selbst will, gerne. ein regelmäßiges muss sollte es nicht sein. urlauben kannst du derzeit noch vergessen. zunächst sollte dein partner einen guten kontakt zur mutter haben, seine vorlieben und bedürfnisse, seine probleme, sein schulisches und freundschaftliches umfeld erfragen. ihr wisst ja fast gar nichts von der innen-und außenwelt des buben. (oder doch?)
ihr seid ja arm, wenn ihr ins blaue hinein freizeitprogramme erstellen müsst und nur jedes 10.mal ins schwarze trefft.
es wäre leichter für euch, den jungen in seinem umfeld besuchen zu können, seine kleine welt auch atmosphärisch kennenzulernen, ihn in ruhe beim spielen zuzusehen und zu beobachten. einfach nur anwesend sein zu können - ein näheangebot des vaters für den sohn. geht das?

liebe grüße,

livia
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(#18) [Permalink]
Alt
Livia
 
dein posting lässt mich nicht los - 01.05.2008, 21:14

ich nochmal..

mir geht der bub nicht aus dem sinn.
mir fehlt selbst noch gänzlich die erfahrung mit jungen in diesem alter bezüglich pornos schauen o.ä.
(haben die pornoseiten im internet die früheren doktorspiele und mädchen unter den rock gucken abgelöst?)
klar, ihr habt ihn ertappt, er hat sich geniert, er wollte nicht mit euch darüber reden, er wollte sich zurückziehen..es ist ja auch noch keine vertrauensbasis zwischen euch hergestellt...
aber ist das alles so harmlos wie es seine mutter darstellt?
es ist das vermittelte gesamtbild des kleinen, das mich betroffen macht:
frisst alles in sich rein, zieht sich von anderen kindern zurück, kanalisiert seine ersten (wohl noch gar nicht wirklich bewussten) sexuellen regungen im betrachten von pornoseiten usw.
die ersten beiden lebensjahre waren sicherlich kein honigschlecken mit drogen-und alkoholkrankem vater - und was geschah in den vaterlosen jahren danach?
wie habt ihr den anfänglichen kontakt zu dem buben aufgebaut bevor er sein erstes wochenende bei euch verbrachte? wielange war seine mutter bei den treffen dabei?
wie ist deren verhältnis zueinander? gibt es noch andere vertrauenspersonen in seinem leben?

ich würd mal off topic professionellen psychologischen rat einholen was der junge jetzt brauchen könnte und wie ein behutsames kennenlernen und zusammenwachsen von papa und sohn in so einem fall gestaltet werden sollte.

sorry für meine langen tiraden, aber der bua tuat mir load.
lg,
livia
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(#19) [Permalink]
Alt
Bettinawe
 
05.05.2008, 22:20

Hallo Livia,
danke für Deine Meinung, ich bin für jeden Rat dankbar! Zu Deinen Fragen:
Ich glaube nicht daß sich daß Kind noch an den frühen Kontakt zum Vater erinnert, da der abgerissen ist als das Kind noch nicht mal 2 Jahre alt war. Ich weiß nur daß mein Freund damals mit dem Buben immer zu seiner Mutter (der Oma vom Kind) gefahren ist. Der neuerliche Kontakt hat zu verganges Jahr zu Weihnachten wieder begonnen. Mein Freund hat da seinen Sohn zum 1. Mal seit über 6 Jahren wieder besucht und sich bei der Gelegenheit auch gleich dafür entschuldigt daß er so lange nicht für Ihn da war. Das hat der Bub auch gut aufgenommen und er hat auch nicht ablehnend reagiert. Mein Freund hat ihm erzählt daß er eine Freundin hat und ihm auch das Angebot gemacht daß er uns gerne besuchen könne und auch bei uns übernachten - wenn er möchte.
Zwei Wochen später kam dann der erste Anruf vom Kind daß er gerne kommen und auch gerne bei uns schlafen würde. Wir glauben aber beide, daß dieser Anruf von der Mutter ausgegangen ist. Er kam dann auch zu uns und es hat auch recht gut geklappt. Zwei Wochen später ebenso. Am 3. Wochenende waren wir dann eislaufen (auf seine Wunsch)und da ist der Sascha so richtig aufgetaut und hat gefragt warum er denn nicht jedes Wochenende zu uns kommen dürfe und daß er in den Ferien viel lieber 6 Wochen bei uns wäre als im Diät-Sommercamp, wo ihn seine Mutter hinschicken will. Mein Freund hat ihm dann freundlich erklärt daß das nicht geht weil wir natürlich im Sommer keine 6 Wochen Urlaub bekommen und aß ihn die mama ja auch am Wochenende bei sich haben will und daher ist er nur jedes 2. Wochenende bei uns. Mich hat gefreut daß der Bub in so kurzer Zeit offensichtlich so viel Vertrauen zu uns gefaßt hat.
Aber irgendwie ist jetzt alles anders. Wir wissen ohnehin nicht ob der Sascha wirklich von sich aus jedes 2. Wochenende zu uns will oder ob er seine Mama oder seinem Papa einen Gefallen damit tun will. Das ist genau das, was du schreibst: die Grenzen des Jungen nicht überschreiten. Natürlich versuchern wir´s! Deshalb haben wir ihn auch die 1 1/2 Stunden nicht aus dem Klo geholt. Wir haben auch keine Tragödie draus gemacht sondern einfach gewartet bis er sich wieder beruhigt hat und von selbst rausgekommen ist. Dann erst haben wir versucht, mit ihm darüber reden warum ihn die Porno-Seiten so faszienieren. Auch die Decke überm Kopf haben wir ihm gelassen. Dieses Verstecken unter der Decke hatten wir schon ein paar Mal, einmal als er seine Hausübung nicht machen wollte und einmal beim Eislaufen weil ihn andere Kinder ausgelacht haben (da war´s die Jacke über dem Kopf, mit der er auf der Bank am Eislaufplatz gesessen ist).

Was den Kontakt zu Mutter betrifft so ist der leider kaum vorhanden. Was mich auch eher verwundert hat ist, daß die Mutter mich gar nicht kennenlernen wollte bevor sie uns ihr Kind anvertraut hat. Mittlerweile habe ich sie 3x gesehen und kurz mit ihr gesprochen, aber das war´s schon. Mir kommt vor sie ist froh darüber daß der Kontakt Vater-Kind jetzt wieder da ist und es kommt ihr auch entgegen mal alle 14 Tage ein freies Wochenende haben zu können (was ich ihr auch ehrlich zugestehe - schließlich hat sie sich die letzten Jahre alleine um das Kind kümmern müssen). Die große Unbekannte ist vor allem, wie viel Druck auf das Kind von der Mutter ausgeht, die Besuchswochenenden einzuhalten. Daher wollen mein Freund und ich jetzt auch mal unter 6 Augen mit ihr reden um das abzuklären und dann - wenn´s geht - auch den Sascha miteinbeziehen da es ja um ihn geht und natürlich in erster Linie seine Meinung dazu gefragt ist. Aber wir haben keine Ahnung ob das so klappen wird. Nach meinem Instinkt ist es vielleicht im Moment noch besser den Sascha nur für Freizeitaktivitäten abzuholen und ihn zu Hause schlafen zu lassen. Das Schlimme daran ist, daß wir selbst bei einem Anruf von ihm selbst nicht wissen, inwieweit ihn die Mutter dazu überredet hat.
Was den psychologischen Rat betrifft: hast Du da vielleicht einen Tipp, wo wir uns hinwenden könnten? Meine letzen Erfahrungen mit Kinderpsychologen liegen in meiner eigenen Kindheit und sind leider nicht die besten, daher möchte ich nicht zum erstbesten gehen.

Lg Bettina
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