hallo,
ich habe mich vor zwei wochen bei euch vorgestellt, mein sohn leidet unter dem tourette-syndrom und das verlangt uns als familie eine menge kraft ab. immer, wenn ich in den letzten jahren das gefühl hatte, ich kann nimmer, hab ich meine omi angerufen oder sie besucht. sie war kindergärtnerin und hatte selber ein chronisch krankes kind (meinen onkel). sie wusste genau, wie schwer es ist und nach einem besuch oder telefonat mit ihr gings mir immer besser.
letzte woche ist sie gestorben. ich war bei ihr, als sie ging. alles ist nun anders. zu meiner trauer gesellt sich auch ein gefühl des zorns auf meinen sohn, der nun zum ersten mal erlebt, dass er mal nicht der mittelpunkt der welt ist. ich weiß, er kann nichts dafür, bis jetzt war er es ja, aber trotzdem. ein bißchen rücksicht hätte ich mir von ihm doch gewünscht, aber nein, er ist wütend weil ich traurig bin. als ich ihm sagte, dass die omi gestorben ist, musste ich weinen. er schrie mich an, ich solle mit weinen aufhören, ich gehe ihm damit auf die nerven. und seit dem schleicht er ständig hinter mir her und beobachtet mich.
jede beschäftigung von mir mit dem begräbnis versetzt ihn in wut. als ich die parte-zettel schrieb, war er so ekelhaft, dass mein mann ihn schließlich in sein zimmer verwies. erst nach mehreren strafandrohungen blieb er dort und gab ruhe.
ich versuche wirklich, mich zusammen zu reissen. ich muss dazu sagen, dass ich bei meiner omi aufgewachsen bin und "mutti" zu ihr sagte, für mich war sie das auch. ich weiss, alles zusammenreissen hilft nix. ich bin momentan keine wirklich gute mutter. ich schaffs gerade, die notwendigsten dinge zu erledigen, also dafür zu sorgen, dass essen auf dem tisch steht, sie was anzuziehen haben und die hausaufgaben gemacht werden. mehr ist momentan nicht drin. ich versteh ja auch, dass die kinder, besonders mein sohn meine aufmerksamkeit gewaltsam einfordern, sie sind halt kinder. aber weh tuts trotzdem.
liebe grüße
claudia