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Benutzerbild von tabitha
tabitha
 
hilflosigkeit, zorn und andere gefühle - 09.04.2005, 19:48

hallo,

ich habe mich vor zwei wochen bei euch vorgestellt, mein sohn leidet unter dem tourette-syndrom und das verlangt uns als familie eine menge kraft ab. immer, wenn ich in den letzten jahren das gefühl hatte, ich kann nimmer, hab ich meine omi angerufen oder sie besucht. sie war kindergärtnerin und hatte selber ein chronisch krankes kind (meinen onkel). sie wusste genau, wie schwer es ist und nach einem besuch oder telefonat mit ihr gings mir immer besser.

letzte woche ist sie gestorben. ich war bei ihr, als sie ging. alles ist nun anders. zu meiner trauer gesellt sich auch ein gefühl des zorns auf meinen sohn, der nun zum ersten mal erlebt, dass er mal nicht der mittelpunkt der welt ist. ich weiß, er kann nichts dafür, bis jetzt war er es ja, aber trotzdem. ein bißchen rücksicht hätte ich mir von ihm doch gewünscht, aber nein, er ist wütend weil ich traurig bin. als ich ihm sagte, dass die omi gestorben ist, musste ich weinen. er schrie mich an, ich solle mit weinen aufhören, ich gehe ihm damit auf die nerven. und seit dem schleicht er ständig hinter mir her und beobachtet mich.

jede beschäftigung von mir mit dem begräbnis versetzt ihn in wut. als ich die parte-zettel schrieb, war er so ekelhaft, dass mein mann ihn schließlich in sein zimmer verwies. erst nach mehreren strafandrohungen blieb er dort und gab ruhe.

ich versuche wirklich, mich zusammen zu reissen. ich muss dazu sagen, dass ich bei meiner omi aufgewachsen bin und "mutti" zu ihr sagte, für mich war sie das auch. ich weiss, alles zusammenreissen hilft nix. ich bin momentan keine wirklich gute mutter. ich schaffs gerade, die notwendigsten dinge zu erledigen, also dafür zu sorgen, dass essen auf dem tisch steht, sie was anzuziehen haben und die hausaufgaben gemacht werden. mehr ist momentan nicht drin. ich versteh ja auch, dass die kinder, besonders mein sohn meine aufmerksamkeit gewaltsam einfordern, sie sind halt kinder. aber weh tuts trotzdem.

liebe grüße
claudia
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Benutzerbild von Brigitte72
Brigitte72
 
herz AW: hilflosigkeit, zorn und andere gefühle - 09.04.2005, 19:58

das tut mir leid!! ich wünsch dir ganz viel kraft!! mehr kann ich dir leider dazu nicht sagen, da ich noch nie in so einer situation war!!
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Claudia-U
 
herz AW: hilflosigkeit, zorn und andere gefühle - 10.04.2005, 20:18

liebe claudia - auch von mir mein tiefes beileid zum verlust deiner dir so nahestehenden omi. was mir aber ein besonderes anliegen ist, dir zu schreiben ... bitte quäle dich nicht mit den gedanken, dass du zur zeit eine schlechte mutter bist. du hast das recht zu trauern und ein recht in deinem leben ein zeit zu haben, in der es dir nicht gut geht und du wenig platz für andere hast. ich kann die situation mit deinem sohn im speziellen nicht nachvollziehen, aber deine gefühle sind genauso zulässig wie die von jedem anderen auch. und du brauchst zeit zum trauern.
ich wünsche dir viel kraft, geduld, aber vor allem viele positive gedanken http://elternforum.hebammen.at/images/icons/icon15.gif [HINWEIS]an deine omi.

claudia
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Benutzerbild von schutzengel
schutzengel
 
AW: hilflosigkeit, zorn und andere gefühle - 11.04.2005, 07:13

auch mir tut es leid
und ich bin auch der meinung von claudia-u
ich denke auch dass du das recht hast - traurig zu sein!
und für zukünftige probleme kannst du gerne zu uns kommen
alles liebe und viel kraft
lg elisa
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timida
 
AW: hilflosigkeit, zorn und andere gefühle - 13.04.2005, 18:12

Tut mir sehr leid für dich/euch, ihr einen so wichtigen Menschen verloren habt. Aber was ich eigentlich los werden wollte: Kann es sein, dass dein Sohn deswegen so "rücksichtslos" dir gegenüber ist, weil er mit der Situation "Mama weint" nicht zurechtkommt und sich irgendwie hilflos fühlt. Ich schreibe das, weil ich es von mir selber kenne. Als meine Omi gestorben ist (Mutter von meiner Mutter), habe ich es fast nicht ausgehalten, wenn meine Mama geweint hat. Noch Monate später, zu Weihnachten, zu ihrem Geburtstag - eben alle diese Tage an denen man einen Menschen besonders vermisst, bin ich mit angehaltenem Atem ängstlich neben ihr gesessen und habe beim kleinsten Zeichen von Tränen und Trauer alles mögliche versucht, um sie abzulenken. Einerseits weil ich - wie gesagt - nicht damit umgehen konnte, dass sie weint, andererseits war ich selbst traurig und habe mir eine "nichttraurige Mutter" zum Trösten gewünscht und keine, die mich in den Arm genommen hat und mir erklärte: "Komm, weinen wir zusammen!" Wenn sie geweint hat (auch in anderen Situationen) bin ich möglichst schnell geflüchtet - ich habe es nicht ausgehalten zuzusehen und konnte sie nicht trösten.
Okay, alles Gute
TIMIDA
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