PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Plötzlicher Kindstod - Forschungsergebnisse



Berthold
13.10.2004, 02:18
Auf dem Rücken schlafen

12.10.2004

Risiko für Plötzlichen Kindstod senken
berlin (SN, AFP). Die Gefahr des von vielen Eltern gefürchteten Plötzlichen Kindstods kann durch einige einfache Regeln reduziert werden: richtige Schlafbedingungen wie die Rückenlage, ein Schlafsack statt einer Bettdecke sowie Schutz vor Überwärmung des Säuglings. Wichtig sei außerdem das Stillen des Kindes in den ersten Lebensmonaten sowie der Verzicht der Mutter auf das Rauchen während und nach der Schwangerschaft, heißt es in einer am Montag in Berlin vom deutschen Forschungsministerium veröffentlichten Studie. Den Untersuchungen zufolge sind die be-deutendsten vermeidbaren Risikofaktoren Schlafen in Bauchlage und Schlafen im Bett der Eltern, wenn die Mutter Raucherin ist.

Das größte Gefahrenpotenzial kann allerdings nicht von den Eltern beeinflusst werden: Frühgeburten haben der Studie zufolge ein zehnfaches Risiko, den Plötzlichen Säuglingstod zu sterben.

An der interdisziplinären Untersuchung beteiligten sich 17 Universitäten und zwei regionale Institute.

© SN


Ich weiß eh, daß es woanders reingehört. Dachte nur, es wäre gut, wenn es allgemein bekannt wäre.

Soph
13.10.2004, 02:21
Den Untersuchungen zufolge sind die be-deutendsten vermeidbaren Risikofaktoren Schlafen in Bauchlage und Schlafen im Bett der Eltern, wenn die Mutter Raucherin ist.

Würd mich interessieren, warum nur die Mutter.
Der Vater schläft ja genauso weit oder nah am Baby wie die Mutter.
Und wenn der Raucher ist?

Ansonsten nichts Neues.

Lg,
Margit

Berthold
13.10.2004, 02:45
Gute Frage.
Vielleicht waren auch alleinstehende Mütter in der Studie? Oder die Kinder haben automatisch näher an der Mutter geschlafen?
Keine Ahnung ... hab leider nicht mehr Infos über die Studie. Die Zahlen hätten mich nämlich auch interessiert. Dagmar hat da eine interessante statistische Frage aufgeworfen.

Hab leider nur diese kurze Meldung ... kann nur hoffen, daß es keine Ente ist.

Soph
13.10.2004, 02:47
Gute Frage.
Vielleicht waren auch alleinstehende Mütter in der Studie? Oder die Kinder haben automatisch näher an der Mutter geschlafen?
Keine Ahnung ... hab leider nicht mehr Infos über die Studie. Die Zahlen hätten mich nämlich auch interessiert. Dagmar hat da eine interessante statistische Frage aufgeworfen.

Hab leider nur diese kurze Meldung ... kann nur hoffen, daß es keine Ente ist.

Ich weiß, kenn ich auch schon, die Frage.
Meine Mama haben sie damals noch gesagt, niemals in Rückelage wegen SIDS. :rolleyes:

Lg,
Margit

Q
13.10.2004, 06:58
Jetzt wieder meine Standardfragen dazu:
- gibt es irgendwelche Hinweise, mit welcher Methodik diese Studie erstellt wurde?
- Wie macht man bei so einem sensiblen Thema eine Primärdatenerfassung?
- Wie groß ist überhaupt die Stichprobe, mit der hier gearbeitet wurde? Entspricht sie in ihrer Zusammensetzung sonst der Allgemeinbevölkerung?
- welche wissenschaftlichen Hypothesen über Wirkzusammenhänge (etwa zwischen Bauchlage und SIDS oder Rauchen und SIDS) sollten in dieser Studie untersucht werden?

Wir wissen doch alle, dass eine bloße Korrelation zwischen zwei Merkmalen in einer Stichprobe noch kein Beleg für einen Zusammenhang ist; allenfalls kann eine solche Korrelation eine anderweitig wissenschaftlich fundierte Hypothese untermauern oder aber nicht.

So, wie das dasteht, halte ich das für das übliche moralisierende Gewäsch der Gesundheitspolitik. Die Raucher sind schuld. Ha!

myseri
13.10.2004, 08:09
dass das eine "ente" ist, glaube ich nicht, ich habe schon viele artikel gelesen, in denen diese faktoren aufgezeigt wurden.

es ist so, dass raucher die giftstoffe, die sie inhalieren, besonders während des schlafens über die haut abgeben, und so "giftige ausdünstungen" produzieren, was einen einfluss bezüglich sid haben kann. und wenn das baby im elternbett schläft, wird es dem klarerweise besonders stark ausgesetzt. alle anderen risikofaktoren sind selbstredend, denke ich mir. und wegen rauchen in der schwangerschaft: darüber mag ich gar nix sagen, für mich ist es gänzlich unverständlich und unvorstellbar, es zu tun.

unsere große war eine frühgeburt (ende 26. woche), und wir hatten bis zu ihrem 18 lebensmonat einen überwachungsmonitor, lieber wäre es gewesen, ihn länger zu verwenden, doch das kabel wurde dann durch ihre zunehmende bewegungsfähigkeit zu einer grösseren gefahr als die möglichkeit eines weiteren atemstillstandes (sie hatte als 5-monatiges baby einen herz-kreislaufstillstand von über einer stunde), wirklich beruhigt war ich erst, als sie das 2. lebensjahr überschritten hatte.

und beim zwergal geh ich heute noch nachschauen, ob sie eh atmet. obwohl bei ihr von anfang an alles ok war, und ich während der schwangerschaft und lange nachher nicht geraucht habe. sie ist jetzt 20 monate und schön langsam könnte man mich als paranoid bezeichnen :rolleyes: .

guggi
13.10.2004, 08:11
Außerdem wurde noch folgende Risikofaktoren nicht erwähnt:
Anpassungsstörungen nach der Geburt, Schlafen im eigenen Zimmer, langdauernde Tiefschlafphasen (zu frühes "Durchschlafen").

Q
13.10.2004, 08:15
alle anderen risikofaktoren sind selbstredend, denke ich mir.

Schlafsack statt Decke? Rückenlage? Stillen? Was ist das selbstredend?

Ein Punkt ist überhaupt unlogisch: wie verträgt sich Schlafsack mit Schutz vor Überwärmung?

Abgesehen davon: mich würden die methodischen Grundlagen selbst dann interessieren, wenn wirklich nur Korrelationen erhoben wurden. Wie um Himmels Willen kommt man bei Kindern, die an SIDS verstorben sind, verlässlich zu derartigen Daten? Interviewt man da die Eltern, gleich nach dem schrecklichen Ereignis? Wie erhebt man z.B., ob das Kind regelmäßig auf dem Bauch geschlafen hat? Ich weiß zwar, dass unser größerer eher auf dem Bauch eingeschlafen ist, aber wie der die ganze Nacht gelegen ist --> keine Ahnung. Und bei der kleineren weiß ich es überhaupt nicht - die schläft nämlich so ein, wie sie beim Herumkrabbeln im Bett grad umfällt ;)

Q
13.10.2004, 08:17
Außerdem wurde noch folgende Risikofaktoren nicht erwähnt:
Anpassungsstörungen nach der Geburt, Schlafen im eigenen Zimmer, langdauernde Tiefschlafphasen (zu frühes "Durchschlafen").

Geh sei ma net bös, das halt ich für genauso kühne und unbewiesene Behauptungen. Schlafen im eigenen Zimmer ist Schuld an SIDS - wie sollte das begründbar sein? Das ist reines Moralisieren der "man muss für das Kind auf Sex verzichten"-Fraktion.

myseri
13.10.2004, 08:21
Schlafsack statt Decke? Rückenlage? Stillen? Was ist das selbstredend?

Ein Punkt ist überhaupt unlogisch: wie verträgt sich Schlafsack mit Schutz vor Überwärmung?

Abgesehen davon: mich würden die methodischen Grundlagen selbst dann interessieren, wenn wirklich nur Korrelationen erhoben wurden. Wie um Himmels Willen kommt man bei Kindern, die an SIDS verstorben sind, verlässlich zu derartigen Daten? Interviewt man da die Eltern, gleich nach dem schrecklichen Ereignis? Wie erhebt man z.B., ob das Kind regelmäßig auf dem Bauch geschlafen hat? Ich weiß zwar, dass unser größerer eher auf dem Bauch eingeschlafen ist, aber wie der die ganze Nacht gelegen ist --> keine Ahnung. Und bei der kleineren weiß ich es überhaupt nicht - die schläft nämlich so ein, wie sie beim Herumkrabbeln im Bett grad umfällt ;)

alles klar, deine überlegungen.

die sache mit der rückenlage: diese empfehlung ändert sich ständig, seit ich das verfolge, wird einmal rückenlage und einmal bauchlage empfohlen (ich verfolge es seit ca. 15 jahren). und dass man ein kind nicht auf den rücken zwingen kann, ist klar. ich habe sie halt immer so hingelegt, doch babies drehen sich ja sehr schnell um, und meistens liegt sie auf der seite.

der schlafsack: ganz einfach, somit wird die gefahr des decke-über-den-kopf-ziehens vermieden, das ist aber auch schon alles.

wegen dem stillen: es wird doch alles aufs stillen geschoben, dass es für babies gesund und gut ist, ist keine frage. doch ich persönlich bin der meinung, dass mutter selbst entscheiden sollte, ob und wie lange sie es tut. möglicherweise gibt die muttermilch mehr als anderes, und vielleicht hat sie inhaltsstoffe, die dazu beitragen können, das sid nicht so leicht eintreten kann. ich weiss es nicht. wobei ich zweifel habe, dass eine rauchende stillende mutter der fertignahrung vorzuziehen ist.

und wegen der daten: ich glaube schon, dass es befragungen bzw. studien gibt. ein totes baby wird ja wohl nicht einfach so hingenommen, sondern da gibt es auf alle fälle untersuchungen.

(ich tu mir total schwer, über sowas zu schreiben, ehrlich gesagt)

guggi
13.10.2004, 08:23
Wissenswertes über den plötzlichen Kindstod

von Rabeneltern.org

Die Ursachen für den plötzlichen Kindstod (engl. Sudden Infant Death Syndrom, abgekürzt: SIDS) sind bisher nicht zweifelsfrei geklärt. Säuglinge im Alter von 1 bis 6 Monaten sind am häufigsten von SIDS betroffen, mit 3 bis 4 Monaten ist das Risiko am höchsten. Jungen sind häufiger betroffen, als Mädchen. Im Winterhalbjahr und in der zweiten Nachthälfte sterben überdurchschnittlich viele Kinder an SIDS. Statistisch ist 1 Kind von 350 betroffen. Nach Vollendung des 1. Lebensjahres ist die Gefährdung des Kindes durch den plötzlichen Kindstods signifikant verringert.

Folgende Symptome können ein Zeichen sein, dass ein Kind möglicherweise SIDS gefährdet ist:
- übermäßiges Schwitzen
- häufige Atemstillstände > 15 Sekunden
- sehr blasses Gesicht
- bläuliche Verfärbung um die Mundpartie
- verfrühtes Durchschlafen (länger als 6 h) vor dem 6. Monat
- verminderte Aufwachreaktion (= tiefer und fester Schlaf)
Wie funktioniert das Atmen im Schlaf?
Der Mensch atmet Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Die Konzentration dieser Stoffe wird von sogenannten Chemorezeptoren, die in den Blutgefäßen sitzen, gemessen. Sinkt die Sauerstoffkonzentration im Blut unter einen Mindestwert ab, wird diese Information von den Chemorezeptoren an das Gehirn weitergeleitet, wir atmen schneller, Pulsschlag und Herztätigkeit nehmen zu, der Blutdruck steigt. Gleiches passiert, wenn die Kohlendioxidkonzentration im Blut zu hoch ist.

Während des Schlafes wechseln sich Traumphasen (= aktiver Schlaf) und Tiefschlafphasen ab. Je tiefer ein Mensch schläft, desto mehr ist sein Bewusstsein vermindert, die Herztätigkeit nimmt ab und die Atemfrequenz ist umso abhängiger von der gesunden Funktion der Chemorezeptoren.

Der Atem schlafender Babys folgt keinem regelmäßigen Rhythmus, sondern ist periodisch, das bedeutet, dass es immer wieder zum Atemstillstand (Apnoe) kommt, der bis zu 15 Sekunden, manchmal sogar bis zu 20 Sekunden, andauern kann. Der Herzschlag sinkt, die Sauerstoffkonzentration im Blut fällt auf ein sehr niedriges Niveau. Manche Babys atmen nach einem Atemstillstand im Schlaf automatisch weiter (Atemstimulation), manche erwachen (Aufwachreaktion) und die bewusste Atmung setzt wieder ein. Im Alter von etwa 6 Monaten nimmt der Anteil an periodischem Atmen deutlich ab, die Babys atmen regelmäßiger und die Herztätigkeit und der Kreislauf sind stabiler.

Untersuchungen in Schlaflabors haben ergeben, dass während der Traumphasen (aktiver Schlaf) Atmung und Herzschlag des Menschen stimuliert werden. Reife Neugeborene haben einen Anteil von etwa 50 % aktiven Schlaf (Vergleich: 2-jähriges Kind 25 %, Jugendliche 20 %). Dieser hohe Anteil an aktivem Schlaf, so schließen die Wissenschaftler, würde erklären, warum Neugeborene nicht von SIDS betroffen sind. Eine weitere Hypothese ist die, dass das häufige Aufwachen von Babys ein natürlicher Schutzmechanismus gegenüber SIDS ist. Erst, wenn der kindliche Organismus reif genug ist, die automatischen Atemmechanismen sicher zu beherrschen, beginnen Kinder durchzuschlafen. Junge Babys, die schon sehr früh durchschlafen und eher unsensibel auf äußere Reize reagieren, also sogenannte einfache Babys, durchwandern weniger aktive Phasen während des Schlafes, als Kinder mit sensiblerem Temperament. Die Forscher warnen davor, den Schluss zu ziehen, dass diese Kinder deswegen ein erhöhtes Risiko haben, an SIDS zu sterben, meinen aber auch, wenn bereits andere SIDS-Risikofaktoren vorliegen (Erklärung, siehe unten), vermag ein einfaches Temperament möglicherweise das SIDS-Risiko zu erhöhen.

Faktoren, die das SIDS-Risiko erhöhen:

Nicht stillen
Rauchen der Mutter, während der Schwangerschaft, Passivrauchen des Babys nach der Geburt
Bauchlage des Kindes, während des Schlafs. Neueste Forschungsergebnisse warnen ebenso vor der Seitenlage, weil sie instabil ist und das Baby in die Bauchlage kommen kann
Überwärmung durch zu hohe Raumtemperaturen, zu warme Kleidung/zu weiche Unterlagen, voluminöse Bettdecke und Kopfkissen
Bei Kenntnis dieser Faktoren, lässt sich das SIDS-Risiko des Babys durch seine Eltern einfach reduzieren:
Stille dein Baby möglichst voll, bis zur Vollendung des 6. Monats
Verzichte auf das Rauchen in der Schwangerschaft und achte zumindest darauf, dass dein Kind sich ausschließlich in rauchfreier Umgebung aufhält
Lege dein Baby zum Schlafen auf den Rücken
Achte darauf, dass die Raumtemperatur im Schlafzimmer nachts nicht über 18 °C ansteigt
Ziehe dein Kind zum Schlafen nicht zu warm an. Body und Schlafanzug genügen in der Regel.
Ein Fell gehört nicht ins Kinderbett. Kein Kopfkissen oder Stillkissen, als sogenanntes Nestchen.
Die Bettdecke sollte leicht sein. Das Kind sollte so ins Bett gelegt werden, dass es mit dem Kopf nicht unter die Decke rutschen kann.
Weltweit sind sich alle Experten hinsichtlich der Erkenntnisse über das Schlafverhalten von Babys sowie der SIDS-Risikofaktoren einig. Unterschiedliche Empfehlungen gibt es allein zum Schlafort.
Während in Deutschland bisher einheitlich davor gewarnt wird, das Baby zum Schlafen mit ins Elternbett zu nehmen (siehe z. B. die Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V.)
gibt es in den USA beide Auffassungen, sowohl Pro Elternbett (Mother and Child Co-Sleeping), als auch Contra. Allerdings, in einem Punkt herrscht dann doch wieder Einigkeit: mindestens bis zur Vollendung des 6. Lebensmonats des Kindes, sollte es nicht im eigenen Zimmer schlafen, sondern im selben Raum, wie die Eltern. In einer Broschüre vom Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.* wird sogar empfohlen, dass ein Kind 2 Jahre im selben Raum, wie die Eltern schlafen sollte.

Die Gegner des Familienbetts argumentieren:
Beim gemeinsamen Schlafen im Elternbett ist das Kind sowohl durch Überwärmung, als auch durch Ersticken (z. B. wenn der Kopf des Kindes unter die Bettdecke rutscht) gefährdet. Eltern, die Rauchen oder Alkohol und andere Drogen konsumieren, sollten nicht gemeinsam mit ihren Kindern im Bett schlafen! Drogen vermindern die Körperwahrnehmung und -kontrolle, was dazu führen kann, dass das Kind von einem Elternteil im Schlaf erdrückt wird. Das Schlafen des Kindes im eigenen Bett, aber im selben Zimmer wie die Eltern, wird befürwortet, weil vermutet wird, dass


die Aufmerksamkeit der Eltern während des Schlafes für das Kind erhöht ist und so sofort helfend eingegriffen werden kann, z. B., wenn das Kind erbricht
die Atemgeräusche der Eltern wirken sich auf das Schlafmuster der Babys positiv aus, d. h. Kinder, die im selben Raum, wie die Eltern schlafen, schlafen nicht so tief und werden wahrscheinlich durch den äußeren Reiz stimuliert, weiter zu atmen.
Die Argumente für das Familienbett sind:

stillende Mütter, die gemeinsam mit ihrem Baby schlafen, haben mehr aktive Schlafphasen (sie erreichen die vierte oder tiefste Schlaphase nicht), der aktive Schlaf ist bei ihren Babys ebenfalls erhöht, insbesondere durch das häufige Saugen an der Brust, das bedeutet, Babys Sauerstoffgehalt im Blut, Aufwachreaktion und Sensibilität für äußere Reize sind erhöht
die Atemgeräusche der Mutter animieren das Baby zum Weiteratmen
gute Wärmeregulierung durch Körperkontakt
häufiges Stillen in der Nacht erhöht den immunologischen Schutz, gerade in der kritischen Phase hinsichtlich SIDS im 3. - 6. Monat wichtig
das Hormon Prolaktin, dem ein erhöhtes Bewusstsein der Mutter für die Signale ihres Babys zugeschrieben wird, ist durch das gemeinsame Schlafen erhöht
Hautberührung gilt als Atemstimulans
Stillen und viel Körperkontakt fördert die gesamte kindliche Entwicklung, also auch die Reifung des Herz-Lunge-Kreislaufsystems

Empfehlungen für das sichere Schlafen im Elternbett:

Eltern sollten nicht mit ihren Kindern in einem Bett schlafen, wenn sie rauchen oder Alkohol oder Drogen konsumiert haben
Das Bettzeug sollte zur Größe der Matratze passen
Die Matratze sollte genau in das Bett passen (keine Lücken zwischen Matratze und Bettgestell)
Das Gesicht des Babys darf nicht durch lose Kissen oder Decken verdeckt werden
Es darf kein Spalt zwischen dem Bett und der angrenzenden Wand sein, so dass das Baby hinunterrollen und eingeklemmt werden könnte
Das Baby sollte nicht auf dem Bauch liegen


Quellen:

- Schlafen und Wachen, Dr. William Sears

- Dr. James J. McKenna, Professor of Anthropology, Director of the Center for Behavioral

- Studies of Mother-Infant Sleep, Notre Dame University

- Drei in einem Bett, Deborah Jackson

- Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V.

- Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby, Herausgeber Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

- Schlaf - Auf die Plätze fertig los, Barbara Walcher

myseri
13.10.2004, 08:25
Geh sei ma net bös, das halt ich für genauso kühne und unbewiesene Behauptungen. Schlafen im eigenen Zimmer ist Schuld an SIDS - wie sollte das begründbar sein? Das ist reines Moralisieren der "man muss für das Kind auf Sex verzichten"-Fraktion.

ich kenne die variante: schlafen im elternbett ist gefährlich! eben wegen überhitzung, ausdünstungen, gefahr der decke über den kopf.

guggi
13.10.2004, 08:29
Das ist reines Moralisieren der "man muss für das Kind auf Sex verzichten"-Fraktion.

Gut, daß Du in dem Zusammenhang klare Prioritäten setzt...

joi
13.10.2004, 09:27
Ich weiß, kenn ich auch schon, die Frage.
Meine Mama haben sie damals noch gesagt, niemals in Rückelage wegen SIDS. :rolleyes:

Lg,
Margit

und wir haben gelernt einzig gestützte seitenlage ist das wahre ... :rolleyes:

bergie
13.10.2004, 09:36
Ich persönlich kenne leider 2 Fälle von Plötzlichem Kindstod im weiteren Bekanntenkreis und in beiden Fällen waren die üblichen, oben auch erwähnten Risikofaktoren ausgeschaltet. Ein Baby war sogar schon 9 Monate alt, ein Alter, in dem ich bei meinen nie mehr gedacht habe, dass sie einfach so im Schlaf wegsterben können (ohne Überhitzung, Decke überm Gesicht,...). Es wird wohl leider immer auch Babys geben, die leider "einfach" sterben. Dann finde ich es auch nicht fair, nachträglich irgendwas zu konstruieren, etwa, dass es zu wenig oder zu oft im Elternbett gelegen hat, dass es nur 1 Monat gestillt worden ist,...

sane
13.10.2004, 09:38
eine bekannte von mir hatte zwei von SIDS betroffene kinder: das maedl ist gleich alt wie meine tochter: was bei ihr eben auffallend war: schon mit 3 monaten schlief sie untertags auch mal 6/7 stunden, in der nacht sowieso ....

ihr fiel auf, dass ihre Kinder immer dann naechtliche abendstillstaende hatten, wenn sie einen entwicklungsschub machten, wenn sie krank waren, wenn sie stressige tage hatten ...

Q
13.10.2004, 09:43
Gut, daß Du in dem Zusammenhang klare Prioritäten setzt...

Dies nur deshalb, weil mich auch dein langer Artikel in keiner Weise überzeugt. Es geht hier ausschließlich darum, die behauptete SIDS-Gefahr als "Begründung" für die "Familienbett-ist-gut" und "Stillen-ist-gut"-Moral zu strapazieren. Der Zusammenhang wird auch darin lediglich behauptet, es wird nicht einmal der Versuch unternommen, irgendeine der Behauptungen irgendwie zu begründen.

Übrig bleiben die bedauernswerten Eltern, die mit dem mehr oder weniger zufällig auftretenden Schicksalsschlag SIDS konfrontiert sind und durch solch unqualifizierte Moralisiererei zusätzlich noch einen riesigen Schuldkomplex abzutragen haben. Fehlt nur noch, dass man dann Gefängnisstrafen für Raucherinnen einfordert, deren Kind an SIDS verstorben ist.

Tut mir leid, das geht zu weit.

Q
13.10.2004, 09:46
ich kenne die variante: schlafen im elternbett ist gefährlich! eben wegen überhitzung, ausdünstungen, gefahr der decke über den kopf.

Ich bin überhaupt zu dem Schluss gekommen, nach diesen kabbalistischen Lehren müsste man ein Kind mit Kluppen an die Wäscheleine hängen, da ja auch die Gefahr der Schädeldeformation durch Seiten- und Rückenlage ...

Wann werden die Moraisierer endlich begreifen, dass sie durch ihren hysterischen Alarmismus genau das Gegenteil erreichen, nämlich dass in dem Wust von wohlmeinenden Warnungen diejenigen vor wirklichen und konkreten Gefahren einfach untergehen (z.B. vor Fahrradanhängern und Fahrradkindersitzen)

sane
13.10.2004, 09:51
Dies nur deshalb, weil mich auch dein langer Artikel in keiner Weise überzeugt. Es geht hier ausschließlich darum, die behauptete SIDS-Gefahr als "Begründung" für die "Familienbett-ist-gut" und "Stillen-ist-gut"-Moral zu strapazieren. Der Zusammenhang wird auch darin lediglich behauptet, es wird nicht einmal der Versuch unternommen, irgendeine der Behauptungen irgendwie zu begründen.

Übrig bleiben die bedauernswerten Eltern, die mit dem mehr oder weniger zufällig auftretenden Schicksalsschlag SIDS konfrontiert sind und durch solch unqualifizierte Moralisiererei zusätzlich noch einen riesigen Schuldkomplex abzutragen haben. Fehlt nur noch, dass man dann Gefängnisstrafen für Raucherinnen einfordert, deren Kind an SIDS verstorben ist.

Tut mir leid, das geht zu weit.

zum ersten: ich hab das mit dem familienbett/stillen eigentlich immer so aufgefasst, dass es in erster linie um moeglichst viel koerperkontakt geht, und das kann ich auch ohne stillen und ohne familienbett erreichen ....

zum zweiten: so ganz zufaellig ist der SIDS-Schicksalsschlag auch wieder nicht: bei der geburt meiner tochter bekamen wir einen fragebogen bezueglich sids, den wir nach 4 wochen ausgefuellt an die SIDS-Ambulanz zurueckschicken konnte - je nachdem, wie man die fragen beantwortet hat, wurde man angeschrieben, dass man mit dem baby eine nacht im schlaflabor verbringen soll, da uu eine disposition vorlaege ... - ich kenne kaum jemanden, der den fragebogen zurueckgeschickt hat ....

GinaB
13.10.2004, 09:52
Ich bin überhaupt zu dem Schluss gekommen, nach diesen kabbalistischen Lehren müsste man ein Kind mit Kluppen an die Wäscheleine hängen, da ja auch die Gefahr der Schädeldeformation durch Seiten- und Rückenlage ...


das müssen aber holzkluppen sein, auf keinen fall an einer plastikleine. und bitte das kind mit sonnenschutzfaktor 100 einschmieren, unbedingt einen hut aufsetzen!

und: ich versuche, sehr gut auf meine Kinder zu achten. aber manches geht einfach zu weit. ich befürchte auch, dass bei der momentan herrschenden überinformation wichtige dinge einfach untergehen.

ginger3
13.10.2004, 09:53
Welche schlechten Erfahrungen mußt du mit dem Fahrrad gemacht haben da du immer wieder darauf kommst. Ich nehm meine Kinder auch im Auto mit obwohl jählich viele bei Unfällen sterben.
Es gibt immer Gefahren. Natürlich ist es schwierig mit den Vorhersagen, welche Gründe zu einem plötzlichen Kindstod führen. Und vor allem für betroffene Eltern. Aber es ist sicher auch gut, wie immer die Ratschläge nun aussehn, wenn sich Eltern Gedanken über das Schlafverhalten ihrer Kinder machen.

myseri
13.10.2004, 10:15
selbst wenn man alle derzeit bestehenden "regeln" und empfohlene vorsichtsmassnahmen befolgt, es ist niemand gegen den plötzlichen kindstod gefeit. ich glaube nicht, dass versucht wird, den eltern die schuld in die schuhe zu schieben, sondern dass gründe gesucht werden, um es zu erklären. damit man sich auf irgendeinen grund stützen kann. damit man wenigstens versuchen kann, es zu verhindern. ich glaube nicht, dass man es verhindern kann. nur, dass man sich selbst ein besseres gefühl verschaffen kann, wenn man alle ratschläge befolgt.

Q
13.10.2004, 10:19
selbst wenn man alle derzeit bestehenden "regeln" und empfohlene vorsichtsmassnahmen befolgt, es ist niemand gegen den plötzlichen kindstod gefeit. ich glaube nicht, dass versucht wird, den eltern die schuld in die schuhe zu schieben, sondern dass gründe gesucht werden, um es zu erklären. damit man sich auf irgendeinen grund stützen kann. damit man wenigstens versuchen kann, es zu verhindern. ich glaube nicht, dass man es verhindern kann. nur, dass man sich selbst ein besseres gefühl verschaffen kann, wenn man alle ratschläge befolgt.

Wenn die Ratschläge aber nun durch nichts begründet sind außer durch eine statistische negative Korrelation mit Verhaltensweisen, die man für "moralisch" in der Pflege von Kleinkindern hält? Ist das nicht ein reichlich schwaches Argument? Kann es nicht etwa so sein, dass soziale Milieus, in denen viel geraucht und wenig gestillt wird, einfach weniger engmaschige ärztliche Kontrolle (oder weniger hygienische Standards oder was-weiß-ich ...) anwenden und daher bei denen mehr SIDS-Fälle auftreten? Oder dass sie öfter in schimmligen Wohnungen wohnen?

Es kann 1000 Gründe für diese Korrelationen geben. Komischerweise werden nur die Zusammenhänge zu einwandfreiem P.C. Verhalten nach Lothrop & Co überhaupt statistisch erfasst. So ein Zufall aber auch!

Matthias
13.10.2004, 10:21
Auch wenn sich die Regeln früher geändert haben, sind sie doch seit >10 Jahren gleich, eventuell nur mit anderer Gewichtung.

Und die Zahl der SIDS-Fälle hat sich seitdem immerhin drastisch verringert, und das ist zumindest eindeutig nachweisbar.
Aber es mag auch andere Faktoren geben, die das beeinflussen, zum Beispiel Impfungen. Es kann sein, dass der ein- oder andere SIDS-Fall eine Spätfolge einer druchgemachten Krankeit war, dafür gibt es auch Daten. Das Wahrscheinlichste ist allerdings eine Kombination.

ginger3
13.10.2004, 10:30
@Q findest du nicht das du damit alle in eine Schublade stecktst? Kinder die am plötzlichen Kindstot sterben sind aus sozial schlechteren Milieu?
Diese Aussage find ich jetzt eher bedenklich.
Hätte ich nicht so darauf geachtet wie sich meine Tochter im Schlaf verhält, wüßte ich bis heute nicht das sie nachte (in der zweiten Nachthälfte und sie hat sehr bald durchgeschlafen) eine Sauerstoffsättigung hat, die teilweise auf 50% runter ist.

Und das obwohl wir sehr viel bei Ärzten und Krankenhäusern sind, unsere Wohnung nicht schimmlig ist und ich und Lg nicht im Haus rauchen. Ok, hygienisch sauber ists bei uns nicht aber ich würd sagen durchaus bewohnbar.

myseri
13.10.2004, 10:50
Wenn die Ratschläge aber nun durch nichts begründet sind außer durch eine statistische negative Korrelation mit Verhaltensweisen, die man für "moralisch" in der Pflege von Kleinkindern hält? Ist das nicht ein reichlich schwaches Argument? Kann es nicht etwa so sein, dass soziale Milieus, in denen viel geraucht und wenig gestillt wird, einfach weniger engmaschige ärztliche Kontrolle (oder weniger hygienische Standards oder was-weiß-ich ...) anwenden und daher bei denen mehr SIDS-Fälle auftreten? Oder dass sie öfter in schimmligen Wohnungen wohnen?

Es kann 1000 Gründe für diese Korrelationen geben. Komischerweise werden nur die Zusammenhänge zu einwandfreiem P.C. Verhalten nach Lothrop & Co überhaupt statistisch erfasst. So ein Zufall aber auch!

es gab da mal einen versuch (ich glaube in der steiermark, sicher bin ich mir nicht), bei dem alle babies einen überwachungsmonitor mitbekommen haben nach der geburt. der prozentsatz von sid sank extrem drastisch, so ungefähr von 100 auf 2, in dieser relation. die gefahr allerdings besteht darin, dass wir unsere kinder dann total überwachen, ich halte schon gewisse untersuchungen während der schwangerschaft für übertrieben und auch gefährlich (wegen der erwartungshaltung), und es hätte mich auch unglaublich beruhigt, wenn ich für unser baby einen monitor gehabt hätte. doch ich habe bewusst keinen genommen, weil ich weder mich noch den rest der familie wahnsinnig machen wollte, und weil es keinerlei medizinische indikation gab, einen solchen zu verwenden. ich habe mit unserem kinderarzt sowie mit dem in der klinik darüber gesprochen und deren meinung eingeholt.

heute denke ich mir, dass ich bis jetzt einfach nur glück gehabt habe. und einer der gründe, warum ich mir eine weitere schwangerschaft gut überlege, ist der, dass die gefahr einfach da ist und ich immer angst haben werde in einem winkel meines geistes.

und die sache mit sozialen missständen: ich denke nicht, dass das gefälle in bezug auf sid so gross ist, dass man da einen statistischen wert erkennen kann. völlig gesunde kinder sterben manchmal, und total kranke, in grässlichen wohnungen und unter schlimmen umständen leben.

und bitte noch: was war P.C. ? (blöde frage, glaub ich)

Q
13.10.2004, 11:05
@Q findest du nicht das du damit alle in eine Schublade stecktst? Kinder die am plötzlichen Kindstot sterben sind aus sozial schlechteren Milieu?
Diese Aussage find ich jetzt eher bedenklich.
Hätte ich nicht so darauf geachtet wie sich meine Tochter im Schlaf verhält, wüßte ich bis heute nicht das sie nachte (in der zweiten Nachthälfte und sie hat sehr bald durchgeschlafen) eine Sauerstoffsättigung hat, die teilweise auf 50% runter ist.

Und das obwohl wir sehr viel bei Ärzten und Krankenhäusern sind, unsere Wohnung nicht schimmlig ist und ich und Lg nicht im Haus rauchen. Ok, hygienisch sauber ists bei uns nicht aber ich würd sagen durchaus bewohnbar.

Entschuldige, das sollte nur ein aus der Luft gegriffenes Beispiel sein für die Gefahren, die in der nichtkausalen Interpretation statistischer Korrelationen liegen.