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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Begegnung mit Behinderung



b.a.r.b.a.r.a
03.10.2003, 21:37
Gedanken...



Die Mehrheit der Bevölkerung geht davon aus, dass alle durch eigene Leistung "Wert und Freiheit" erreichen können, ja müssen.
Dies bedeutet aber auch ,dass jene, die das nicht können, an "Wert und Freiheit" verlieren, ja sogar Gefahr laufen, dem Streben nach Glück der " Wertvollen und Freien " im Wege stehen.

Wege zum Handeln:

Für uns heute besteht die Aufgabe darin, anzuerkennen, dass sich die "Unantastbarkeit behindertes Lebens" nicht allein rational begründen lässt, sondern dass die Bestimmung jedes Mitmenschen - auch wenn wir ihn / sie als "schwerstbehindert" bezeichnen - jene ist, seine / ihre einmalige Ganzheit zur Entfaltung zu bringen.Es geht ganz grundsätzlich um die Anerkennung der Vielfalt als Wert und nicht als Defekt...Aus dem Blickwinkel der Vielfalt müssen heute die Denkweisen und die Einstellungen anders sein.Es ist zu bedenken,dass jede Person als anderes Wesen eine andere Antwort findet.Das bedeutet ,dass wir alle anders, alle etwas Besonderes und alle ganz normal sind.

Dieser solidarisierende Wert der Gleichwertigkeit aller Menschen steht im grundsätzlichen Widerspruch zum Ziel unserer Konsum und Wachstumsgesellschaft.Bisher half es auch nur wenig,dass 10% der Bevölkerung Menschen mit Behinderung sind.Solange normale leistungsfähige Menschen das gesellschaftliche Leitbild darstellen, sind Würde, Selbstbestimmung und Lebensrecht von Menschen mit Behinderung bedroht.
Solange laufen sie Gefahr, als sogenannte "apersonelle menschliche Existenzen" be - und misshandelt zu werden.

Dem entgegenzuwirken bedeutet ,dass Leben mit Behinderung eine echte Alternative darstellt.

Zitat : Wenn ich mit einer Behinderung auf die Welt kam, gehört sie zu mir wie alles andere zu mir gehört, was mein Wesen und meine Individualität ausmacht, die jamand meint, wenn er mich bei meinem Namen nennt und dabei auf meine ureigene Existenz zielt, die ich mit keinem anderen teile - mit niemand anderem teilen kann, selbst wenn ich es wollte.
Mein Sein und meine Identität sind untrennbar eines.Darum zählt die Behinderung unaufgebbar dazu.Wer sie wegtherapieren will gibt damit zu erkennen,dass ihm mein individuelles Sein als dieser einmalige Mensch gleichgültig ist.Ich selbst kann mich erstrecht nicht ohne Behinderung wollen, weil ich ohne sie ein anderer wäre.

Dem entgegenzuwirken bedeutet aber auch anzuerkennen, dass uns Begegnungen mit Menschen mit Behinderunge befremden und bewegen.Dieses Befremden wächst mit der Schwere der Behinderung, weil zum einen unsere vertrauten Erwartungen an unser gegenüber unerfüllt bleiben und weil es uns zum anderen Menschen mit schwerer Behinderung unsere Gesundheit/ Krankheit, unsere Fähigkeien/ Grenzen und unsere eigene Endlichkeit unmittelbar vor Augen halten.

Diese Begegnungen können aber auch bewirken,dass wir erkennen,dass Lebensentwürfe, Wünsche, Träume und Ängste von Menschen mit Behinderung die selben wie unsere eigenen sind.Wir können aber auch feststellen , dass uns andere Menschen nur deshalb so fremd erscheinen, weil wir sie nicht an ihnen selbst messen und sie bisher nicht sie selbst sein durften, weil wir nicht über unser eigenes Selbst hinaussehen.


Liebe Grüße

Barbara

Martina KH
11.10.2003, 07:38
Barbara, Deine Gedanken sind für mich immer eine große Bereicherung

DANKE

p.s. bei der Werbung für den steirischen Apfel - Mädchen oder Bub - hauptsache gesund - denke ich immer an deinen beitrag

nämlich nicht hauptsache gesund sondern hauptsache glücklich !!!

lg martina

Sabine.Reisinger
13.10.2003, 10:23
Liebe Bettina, liebe Martina,
ich weiss, das ist hier nicht 'mein' Forum, aber ich lese hier sehr oft und ich finde Eure Beiträge meistens sehr berührend und Eure Gedanken sind für mich momentan sehr bewegend, das heisst, ich denke sehr viel über Eure Gedanken und SIchtweisen nach. Meine Tochter war, als sie mit 66 Tagen starb, schwerstbehindert, sie hatte so argen Sauerstoffmangel während der Geburt, dass ihr ganzes Gehirn abgestorben war, nur die Basalfunktionen gab es, sie hat aber nie selbst geatmet. Ich habe mich damals mit dem Gedanken auseinander gesetzt, wie es wäre, wenn Lisa bei uns leben würde, es stand auch nicht von Anfang an fest, dass sie sterben würde, aber es ist nie dazugekommen. Für mich stand also sozusagen nicht das Thema Behinderung im Vordergrund, sondern ihr Tod, mein Abschiednehmen von ihr. Und das hat mich ausgefüllt. Ich beginne nun, mich mit ihrem Anderssein zu beschäftigen.
Dabei ist mir dieses Forum eine grosse Hilfe.
Ich hoffe, das klingt jetzt nicht arrogant, vielelicht hilflos, so fühl mich mich zumindest.
Warum ich gerade jetzt antworte, liegt an dem Satz, den Martina geschrieben hat bezüglich des steirischen Apfels, denn ich gehe jeden Tag an dem Plakat vorbei und konnte es gar nicht glauben, als ich das las. ich hatte mir auch vorgenommen, hinzuschreiben, hab es aber noch nicht getan.
Liebe Grüsse- Sabine

Martina KH
13.10.2003, 11:07
Liebe Sabine,

... wer sagt das leben leicht ist !!!! ......


ich würde auch gerne zu dieser werbung stellungnehmen

Vorschlag: wir schreiben gemeinsam einen Brief - stellen diesen ins forum - und wer will unterschreibt

was haltest du davon??

lg martina

p.s. nochmals danke für deine einsatz für dieses forum

Pezi
13.10.2003, 14:24
hallo,

besagte werbung haengt auch vor MEINER tuer, sodass ich fast jeden tag daran vorbeikomme. ich wollte auch schon hier posten und fragen, was ihr davon haltet.
ich jedenfalls find sie ziemlich unverschaemt. klingt m.m.n. wie ein aufruf, alle kinder, die nicht gesund sind, abtreiben zu lassen... :eek:
ich wuerde einen brief auf jeden fall unterschreiben (hab mir eh schon ueberlegt, einen zu schreiben)!

lg
pezi

Brigitte72
13.10.2003, 14:48
auch ich bin dabei und würde sehr gerne den brief unterschreiben!!

sabrina
13.10.2003, 16:19
hallo:)


da gesell ich mich datzu:) unterschreibe den brief auch, ohne bedenken. ich finde diese werbung auch unverschähmt.



lg.karin
sabrina:29.7.2000(gesund)
katja:8.12.2001(gesund)
nina:4.8.2003(herzfehler)

Sabine.Reisinger
13.10.2003, 16:35
Ich finde es eine gute Idee, einen Brief zu schreiben, vielleicht kann sich jeder, der das möchte, Gedanken zur Forumlierung machen, ins Forum stellen und wir verfassen dann einen gemeinsamen Brief.
Liebe Grüsse.- sabine

Beatrix
21.10.2003, 18:56
Hallo Ihr,

dieser Betrag beschäftigt mich nun schon seit ein paar Tagen.

Es berührt mich sehr wie empfindlich und verletzlich ihr auf diese Apfelwerbung reagiert aber ich kann eure Reaktion nur beschränkt nachvollziehen und eure übersensible Reaktion zeigt wie viele negative Erlebnisse ihr und eure Kinder wohl schon hattet.

Trotzdem denk ich könnte man sich jedes x-beliebige Kind auf dem Plakat vorstellen -auch ein Kind mit besonderen Bedürfnissen- geht es doch bei dieser Werbung um den Gesundheitswert des Apfels -- Vitamine sind gesund und helfen mit uns unsere Gesundheit zu erhalten (Erkältungen,...)


alles Liebe

wbsbirgit
21.10.2003, 19:05
Ich bin auch dabei!!!

Wie wäre es, Fotos unserer Kinder zu schicken und dazu zu schreiben

HAUPTSACHE GELIEBT

Denn was hat bitte schön ein Apfel mit einem Babybauch gemeinsam?

Mich nervt diese Werbung auch sehr. Bei der SCS hängt sie ununterbrochen..


LG
Birgit

Beatrix
21.10.2003, 19:24
jetzt hab ich wohl was falch verstanden

- ich kenn die Werbung nicht und glaubte da sind zwei Apfel essende Kinder drauf

- nach Birgits Betrag zu schließen handlet es sich um eine SS Frau die einen Apfel ißt - stimmts?


dann geb ich euch ganz recht -- das ist kränkend

Lg


:mad:

gaula
21.10.2003, 19:49
http://www.frisch-saftig-steirisch.at/indexie.html

auch hier das sujet auf der startseite...

betreiber der website und der kampagne sind:

die obsterzeugerorganisation steiermark gmbH

Obsterzeugerorganisation Steiermark
Hans- Sachs- Gasse 5
8010 Graz Tel.Nr. 0316/828840

www.frisch-saftig-steirisch.at
office@frisch-saftig-steirisch.at

ich würde mal versuchen an einen Herrn Franz Schaden zu schreiben, der taucht bei presseveranstaltungen oft als Repräsentant auf...

um wirksamkeit zu verstärken, könnte man die briefe in kopie an die steiermärkische landesregierung, die zuständige Gesundheitslandesrätin Dr. Silvia Stöger schicken.

und an die Kleine Zeitung

das muss man sich aber überlegen, ob man dem unternehmen nicht zuerst die chance einer stellungnahme gibt und erst wenn die negativ ausfällt, die politikerin einschaltet

ist eine frage des "Eskalationsmanagement" wie es neudeutsch so schön heisst...

lg
claudia

granny
22.10.2003, 12:09
das muss man sich aber überlegen, ob man dem unternehmen nicht zuerst die chance einer stellungnahme gibt und erst wenn die negativ ausfällt, die politikerin einschaltet




der auftraggeber wurde bereits am 14. oktober von mir informiert. es ist dies die

obst partner steiermark gmbh
ludwig binder-strasse 3
8200 gleisdorf
herr franz schaden
tel. 03112/36414-0
office@opst.at

man hat mir versichert, auf jeden fall auf die interpretationen des plakats zu reagieren.