Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kindergarten - Eingewöhnung
Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit unserem Kindergarten, wo man mich telefonisch schon "darauf vorbereitete", dass man (ich) das Kind auch auf jeden Fall dort lassen "muss", wenn es weint. Da es sich sonst nicht eingewöhnen kann, es dann merkt, dass es dann immer soweit gehen kann und mit seinem Weinen erreicht, was es will...
Mich hat dieses Telefonat sehr betroffen gemacht.
Wenn es um Emotionen & Ängste geht - kann ich nicht wie das so schön heißt "es in jedem Fall durchziehen". Ich tue mir schwer, so eine Situation im Kontext von "Grenzen setzen/Kosequent sein" zu diskutieren - ich habe, zumindestens verstehe ich Jesper Juul so - den Eindruck, die Integrität meines Sohnes zu verletzten, wenn ich ihn weinend und traurig zurücklasse.
Mir ist bewußt, dass es eine wichtige Erfahrung ist, darauf vertrauen zu können, dass Mama wieder kommt - nur, ist es immer noch eine positive Erfahrung, wenn das Kind weint?
Mein Großkind hat mich nie vor diese Situation gestellt und war vom ersten Tag an zufreiden - das zukünftigen KiGa-Kind geht ganz anders mit MamaAbwesenheit um als sein großer Bruder...
Muss man das in jedem Fall so machen? Oder anders gefragt, wie weit geht man?
Vielleicht kann mir ja auch jemand sagen, warum man es so tun soll - "traumatisiert" man nicht ein Kind, wenn man es weinend und verzweifelt dort läßt? Gibt es nur diesen Weg?
Wie wird das pädagogisch und (entwicklungs)psychologisch argumentiert?
Ich merke, dass ich nur bis zu einem bestimmten Punkt (Intensität des Weinens/Frequenz/Verhalten/Ängstlichkeit) gehen kann/möchte/würde -
Wie kann man sich und das Kind vorbereiten?
Wie sind eure Erfahrungen & Gedanken zu diesem Thema!?
Schöne Nacht,
Minusch
Ich hab mir ähnliche Gedanken gemacht, als ich im April meinen Kleinen eingewöhnt hab. Genauso wie Du war ich von meiner Großen verwöhnt, sie hat vom ersten Tag an im KiGa Spaß gehabt und es gab nie Tränen.
Mein Kleiner ist auch sehr kuschelbedürftig und ich hatte wirklich Angst, dass die Eingwöhnung zum Horrortrip wird. Nachdem wir aber vier Wochen Zeit hatten, ging es ziemlich reibungslos über die Bühne. Er hat zwei, drei Mal kurz geweint, als ich ihn der Betreuerin übergeben hab, hat aber SOFORT aufgehört, als ich aus seinem Blickwinkel war. Jetzt, keine 2 Monate nach der Eingewöhnung, freut er sich, wenn er die Betreuerinnen sieht, geht freiwillig in die Gruppe und auf dem Arm der "Tante". Morgens, wenn ich ihn hinbring, sind noch keine Kinder da und er kuschelt noch ausgiebigst mir der grad anwesenden Betreuerin. Ich hab nicht das Gefühl, dass er leidet (obwohl er sich SEHR freut, wenn ich ihn wieder abhol).
Ich habe noch keine Erfahrungen - aber, es wird uns, sofern meine ältere Tochter einen Kindergartenplatz bekommt, eine Trennung im Herbst bevorstehen.
Ich kann an dieser Stelle nur ein paar Feststellungen und Tipps aus "Kinder zwischen drei und sechs - Bildungsprozesse und psychoanalytische Pädagogik im Vorschulalter" zitieren - vielleicht ist etwas für Dich dabei:
"... ..bei einem gut gebundenen Kind wird die Trennung in den Kindergarten kaum je ohne einen mehr oder weniger traumatischen Einbruch des Vertrauens, welches das Kind in seine primären Objekte aufbauen kommte, gelingen...
..die Weiterexistenz der Mutter muss für das Kind vorstellbar sein. Dabei könnte es dem Kind helfen, wenn es weiß, was die Mutter in der Zeit seines Kindergarten-Aufenthaltes tut, wo sie was arbeitet, was sie wo zu Mittag essen wird usw.
Das Kind muss die Gewissheit haben, von der Mutter nicht vergessen zu werden. Auch die Mutter könnte ein "Übergangsobjekt" bei sich tragen, welches das Kind bei ihr vertritt... um 11 Uhr ganz besonders fest an ihr Kind denken wird... und die Kindergärtnerin mach das Kind darauf aufmerksam, wass es 11 Uhr ist, sodass sie beide fest aneinander denken können.
Das Kind muss sich die Wiedervereinigung konkret vorstellen und sich darauf freuen können... konkrete Pläne für den Nachmittag
Möglichkeiten durch symbolische Repräsentation:
zB die Mama-Ecke (Mama-Kiste, Papa-Kiste) - Garderobenplätze als Ort des emotionalen Auftankens gestalten... Fotos, Zeichnungen, Schachtel mit Übergangsobjekten
Bedeutung: Mutter (Vater) "überlebt" den Kindergarten-Tag, dh sie "stirbt" nicht mit ihrem Weggehen und die Objektbeziehung muss beim Abholen nicht neu aufgebaut werden...."
Wenn Dich die Theorie dazu interessiert, kann ich Dir gerne Kopien aus dem Buch schicken.
@Pythia: Welcher Author(in)?
Kornelia Steinhardt, Christian Büttner, Burkhard Müller
Jahrbuch für Psychoanalytische Pädagogik 15
Kauf zahlt sich für Eltern nicht wirklich aus - der Inhalt ist eher an Pädagogen/Vorschuleinrichtungen gerichtet, aber teilweise sehr interessant.
Danke für die Antwort - ich würde gerne dein Angebot wahrnehmen und hätte gerne "Infomaterial".
Ich habe noch keine Erfahrungen - aber, es wird uns, sofern meine ältere Tochter einen Kindergartenplatz bekommt, eine Trennung im Herbst bevorstehen.
Ich kann an dieser Stelle nur ein paar Feststellungen und Tipps aus "Kinder zwischen drei und sechs - Bildungsprozesse und psychoanalytische Pädagogik im Vorschulalter" zitieren - vielleicht ist etwas für Dich dabei:
"... ..bei einem gut gebundenen Kind wird die Trennung in den Kindergarten kaum je ohne einen mehr oder weniger traumatischen Einbruch des Vertrauens, welches das Kind in seine primären Objekte aufbauen kommte, gelingen...
...verstehe ich das richtig, und es kommt IMMER zu einem Verlusterlebnis (mit mehr oder weniger starker Beieinflussung der Beziehung Kind-Eltern oder "Nachwirkungen" auf das später Vertrauens/Beziehungsleben?
...andersrum gedacht, sind Kinder die problemlos in den Kindergarten gehen "nicht gut gebunden". Woran macht man das fest?
..die Weiterexistenz der Mutter muss für das Kind vorstellbar sein. Dabei könnte es dem Kind helfen, wenn es weiß, was die Mutter in der Zeit seines Kindergarten-Aufenthaltes tut, wo sie was arbeitet, was sie wo zu Mittag essen wird usw.
..ich wäre mit seiner kleinen Schwester zuhause - könnte es die Situation verschlimmern ("Eifersucht"?)
Das Kind muss die Gewissheit haben, von der Mutter nicht vergessen zu werden. Auch die Mutter könnte ein "Übergangsobjekt" bei sich tragen, welches das Kind bei ihr vertritt... um 11 Uhr ganz besonders fest an ihr Kind denken wird... und die Kindergärtnerin mach das Kind darauf aufmerksam, wass es 11 Uhr ist, sodass sie beide fest aneinander denken können
Diese Anregung finde ich sehr toll - möglicherweise kann er mir etwas aussuchen (von seinen Stofftieren o.ä.)
Das Kind muss sich die Wiedervereinigung konkret vorstellen und sich darauf freuen können... konkrete Pläne für den Nachmittag
Möglichkeiten durch symbolische Repräsentation:
zB die Mama-Ecke (Mama-Kiste, Papa-Kiste) - Garderobenplätze als Ort des emotionalen Auftankens gestalten... Fotos, Zeichnungen, Schachtel mit Übergangsobjekten
Bedeutung: Mutter (Vater) "überlebt" den Kindergarten-Tag, dh sie "stirbt" nicht mit ihrem Weggehen und die Objektbeziehung muss beim Abholen nicht neu aufgebaut werden...."
Gerde hier habe ich momentan Bedenken, da er solche Gedanken auch schon formuliert - als ich zu meiner Großmutter ins Pflegeheim gefahren bin und er mit dem Rest der Familie (d.h. er war dann Abends . kritische Zeit - mit meinem LG und dessen Mama): "Sie ist soooooo weit weggefahren und kommt nicht mehr wieder".
Wenn Dich die Theorie dazu interessiert, kann ich Dir gerne Kopien aus dem Buch schicken.
Danke für deine Anregungen - ich denke, ich werde da einiges versuchen umzusetzten.
Ich habe nun auch ein BilderBuch über den Kindergarten besorgt - das wir nun über den Sommer anschauen können und immer wieder es zum Thema machen können.
Ich werde mich im Kindergarten auch noch mal stark dafür machen, dass wir so eingewöhnen wie wir es brauchen und nicht nach 08/15-Prinzip-jedes neue Kind muss am zweiten Tag ein halbe Stunden da bleiben.
Schönen Abend noch,
Minusch
was ich festgestellt habe:
kinder haben unterschiedliche verabschiedungsbedürfnissen.
mein grosser, zum beispiel, wollte längere abschiede, ich musste ihn ausziehen, in die gruppe begleiten, abschiedsbussi, etc.
den kleinen belastete das abschiednehmen selbst, daher war es für ihn viel einfacher, wenn ich ihn der kindergärtnerin in die hand gedrückt und gebusst hab, und dann gleich weg war.
gottseidank haben wir so tolle kindergärtnerinnen! sie haben sich dann darum gekümmert, dass er sich aus- und die patschen anzieht und sind mit ihm in die gruppe.
auf diese art hat es bei beiden söhnen praktisch keine tränen gegeben.
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