Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : wie sagt ihr eigentlich?
hi,
ich geh mit unseren Kindern manchmal auf den Spielplatz vom Caritasheim am Himmel,
und ich hab unseren Kindern erklärt, dass dort auch" Kinder mit besonderen Bedürfnissen spielen".
Und ich hab ihnen auch gesagt dass man auch behinderte Kinder dazu sagt
Verwenden tue ich aber eigentlich nur mehr den Ausdruck "Kinder bzw.Menschen mit besonderen Bedürfnissen - diese Definition gefällt mir am besten.
Wenn wir auf einen Rollstuhlfahrer treffen hab ich glaub ich den Begriff Behinderung noch nie verwendet. Die Kinder sind natürlich neugierig wieso jemand im Rollstuhl sitzt und so haben ich ihnen die möglichen Ursachen dafür erklärt - auch im Lift im beisein des Rollstuhlfahrers und es hat sich darüber noch niemand empört.
Lg
kann vielleicht auch einen tipp geben, weiß aber nicht, ob der hilft. hab mir auch nicht überlegt, ob das pädagogisch wertvoll ist, erkläre das irgendwie aus dem bauch heraus...
manche menschen (z.b. im rollstuhl) können nicht gehen oder div. andere dinge machen wie simon selbst. ich verwende das wort "behindert" nicht und versuche, diese menschen nicht als "arm" hinzustellen. kinder nehmen anderssein viel natürlicher auf als man selbst. für simon ist klar, daß blinde nicht sehen, gehbehinderte nicht gehen können. denen muß man bei manchen dingen helfen. menschen mit down syndrom mustert er ein wenig länger, stellt keine fragen, spielt irgendwann mit ihnen oder neben ihnen. ich würde hier wahrscheinlich die erklärung abgeben, daß sie für manche dinge länger brauchen als er, so wie er später gehen gelernt hat...
hm. bin aber auch immer manchmal ein wenig ratlos, wenn so eine situation kommt.
lg, k.
b.a.r.b.a.r.a
20.01.2004, 12:22
ich spreche ganz bewußt von "behinderten Menschen, Behinderungen,".
Das bezeichnet definitiv, was es ist. Eine GEHbehinderung, GEISTIGE Behinderung, SEHbehinderung, KÖRPERbehinderung, SOZIALE Behinderung,...
ich finde Behinderung nicht als Schimpfwort, in meiner 4 köpfigen Familie sind 3 behinderte Menschen, wir stehen dazu, wie es nunmal ist und evrsuchen da nichts zu umschreiben, beschönigen, verändern,...
Wäre für uns ( ich spreche für meinen Mann und mich) nur eine Art " Verleumdnung " , "Nicht Anerkennung" der Behinderung und somit der Individualität jedes einzelnen behinderten Menschen .
Aber das sehen nicht alle behinderten Menschen so.
Die , die ich kenne allerdings schon. Uns ( im Sinne unserer Bekannten, Freunde, Selbsthilfegruppe) geht die Bezeichnung " Menschen mit besonderen Bedürfnissen" schon eher ein klein wenig auf die Nerven. Als ob nicht behinderte Menschen keine besonderen Bedürfnisse hätten.
Menschen, die zart geistig behindert sind, bezeichne ich auch als geistig leicht retardiert, darunter kann man sich ( so finde ich zumindest) ein passendes Bild machen und stellt sich nicht gleich ein schreiendes, speichelndes Kind vor, das keine Kontrolle über Körperfunktionen und Körperbewegungen hat.
Ich versuche aber meine Kinder ( und wahrscheinlich mein umfeld?) so zu erziehen( zu vermitteln) , daß es eben verschiedene Nuancen des Lebens gibt.
Dicke, dünne, schöne, hässliche, sehr gscheite und weniger gscheite, rothaarige und blonde, dunkelhäutige und hellhäutige Menschen, Leute die gehen können und die die es nicht so gut können, welche die im Rolli sitzen und welche die geistig behindert sind....eine breite Palette eben, die das Gesamtbild " Mensch" ausmacht.
Was man darin erkennen kann sind wir alle, zusammengesetzt aus vielen verschiedenen Menschen, die eben verschieden aussehen, verschiedenes können oder nicht können.
Wertfrei.
@ Barbara
"Jedem Menschen recht getan ist eine Kunst die niemand kann"
-mich spricht der Ausdruck" Menschen mit besonderen Bedürfnissen" sehr an, ich bin grad heute wieder mit meinen Kindern am Sonderpädagischen Zentrum Clara- Feyheim - ich glaub dort hast du gearbeitet- vorbeispaziert und hab meinem wissbegierigem Sohn erklären dürfen welche besonderen Bedürfnisse die Kinder dort haben und da sind mir einige eingefallen!
Eine Geschichte die irgentwie hierherpasst möcht ich dir auch noch erzählen:
Ich hab meinen Kinderen von den Negern in Afrika erzählt - darauf hin bin ich von Freunden gerügt worden dass man heutzutagen doch Schwarzer oder besser noch Farbiger sagen soll - ich hab das übertrieben gefunden - sind wir doch noch mit dem Ausdruck Neger aufgewachsen, denn ich nicht als Schimpfwort emfinde. Eines Tagen beim Verlassen eines Geschäftes ruft mein Kind" Mama, schau ein Neger" - dieser hat sich darüber nicht sehr gefreut und mich gefragt woher er denn das hat?............
Ich empfinde den Ausdruck "Behindert" auch nicht als negativ , wobei ich anderen als schöner empfinde.
Lg
b.a.r.b.a.r.a
22.01.2004, 10:20
"Jedem Menschen recht getan ist eine Kunst die niemand kann"
nein, ich würde hierbei auch nicht künsteln wollen.
Es ist meine Meinung, die ich da vertrete. Sie betrifft meine Familie und mich, die Meinung vieler in unserer Selbsthilfegruppe und Seminarteilnehmer.
Behinderte Menschen immerzu mit Samthandschuhen anfassen zu wollen, möglichst schohnend mit ihnen und ihren "besonderen" Bedürfnissen umgehen zu wollen, bringt keine Selbstverständlichkeit im Umgang mit sondern Barrieren. Aber das ist eben eine andere Sichtweise.
PS.: Gerade die Clara Fey Kinder wirst Du sehr schwer beschreiben können. Sehr viele sind solange sexuell mißbraucht und köerplich / psychisch mißhandelt worden, bis sie eben so waren wie sie jetzt sind.
Viele Jahre Mißbrauch in der Kindheit hinterlassen schlimme Störungen. Wie willst Du so etwas Deinem Kind erklären?
Original geschrieben von b.a.r.b.a.r.a
PS.: Gerade die Clara Fey Kinder wirst Du sehr schwer beschreiben können. Sehr viele sind solange sexuell mißbraucht und köerplich / psychisch mißhandelt worden, bis sie eben so waren wie sie jetzt sind.
Viele Jahre Mißbrauch in der Kindheit hinterlassen schlimme Störungen. Wie willst Du so etwas Deinem Kind erklären? [/B]
DAS will ich meinen Kleinkinder gar nicht erklären - das wäre für sie nicht verständlich und würde ihr Weltbild zu früh zerstören.Versteh ich es doch selbst nicht.
Ich seh das nicht als "mit Samthandschuhen angreifen" , meine Kinder sagen z.b. laut und deutlich "Mama , ich will nicht, dass die Behinderten da spazieren gehen - die reden so komisch" und ich erklär ihnen dann das anders sein dieser Kinder.
Weißt du, mir geht es drum, dass unsere Kinder lernen, dass man die Menschen so nehmen sollte wie sie sind - Alle!
Aber wenn ihr Betroffenen das als negativ empfindet, dann sollte ich vielleicht umdenken und wieder Behinderte sagen, obwohl mir das etwas schwerfällt.
b.a.r.b.a.r.a
22.01.2004, 12:15
ja, ich spreche für mich und die, die das auch so sehen: wir würden das so wollen. Behinderung ist keine Krankheit, sondern die Beschreibung dessen, was es ist. Dazu benötigt man keine zarten Umschreibungen von " besonderen Bedürfnissen".
Was meinst Du , wieviele besondere Bedürfnisse gesunde Eltern behinderter Kinder erst haben? Oder gesunde Kinder (hör) behinderter Eltern...
Oder wieviele Menschen psychisch so sehr beeinträchtigt sind, daß sie weitaus mehr " besondere Bedürfnisse " haben als ein Mensch mit Be- hinderung(en) . Wieviele besonderen Bedürfnisse hat ein neugeborenes Baby? Oder ein alter Mensch?
Das hat nichts, aber absolut gar nichts mit einer Wertung zu tun sondern mit einer klaren Vermittlung und Beschreibung dessen, was es ist.
Damit fällt nämlich plötzlich die Barriere, daß behinderte Kinder / Erwachsene,... etwas " Besonderes" wären und somit wieder im Abseits landen.
Sind sie nicht mehr oder weniger besonders als Deine " nicht behinderten" Kinder. Sie können vielleicht nicht besonders gut Fußballspielen weil körperbehindert, oder nicht besonders gut singen ( weil hörbehindert, dafür aber vielleicht besonders gut malen oder besonders gut Klavierspielen im Rolli.
Und DAS sehe ich als Erfolg, wenn man es geschafft hat seinen Kindern wirklich zu vermitteln, dass man die Menschen so nehmen sollte wie sie sind - Alle!
Und zu manchen von ihnen gehört eben ihre Behinderung genauso dazu wie zu anderen der 2. Fuß, genügend intakte Gehirnzellen, 2 Augen die sehen können,...
Verstehst was ich mein?
Aber ich möchte doch auch dazusagen, daß das nicht alle behinderten Menschen so sehen. Es gibt durchaus welche, die sehr unter ihrer Behinderung leiden, die sich nicht mit all ihren Stärken und Schwächen annehmen können, wie sie sind.
Aber die gibts unter den nicht behinderten Menschen genauso ;)
danke dir kat, daß du nachfragst und dich einläßt auf die begegnung
lg martina kohlbacher
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