Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : die zeit nach der geburt
obwohl anika jetzt schon 16 wochen alt ist, werde ich manchmal richtig trübsinnig.
mir fehlt total viel zeit mit ihr.
ich bin neidisch auf die anderen mütter, die ihre babys gleich nach der geburt bei sich haben dürfen.
wenn ich dran denke, macht mir das heute viel mehr aus als damals.
ich hab sie nach der geburt ja nur ein paar sekunden gesehen, und erst nach über 4 stunden hab ich sie dann von meinem bett aus auf der neo an der hand streicheln können.
und dann auch ihr langer kh-aufenthalt. zeit, die wir nie wieder aufholen können.
geht es nur mir so, oder ist das "normal"?
schnabel
30.03.2006, 16:10
Mein Sohn war zwar nur eine Woche auf der Neo bevor ich ihn mit nachhause nehmen konnte, aber ich kenn das Gefühl.
Ich hab ihn nach der Geburt auch nur ganz kurz gesehn und auch erst drei Stunden später auf der Neonatologie besuchen können. Konnte ihn auch nur ein wenig streicheln und da es schon spät war konnte ich erst am nächsten Tag zu ihm.
Während des Krankenhausaufenthalts ist es mir deswegen eigentlich gar nicht wirklich schlecht gegangen, aber an dem Tag an dem er entlassen wurde, sagte die Ärztin dass er so ein unruhiges Kind ist und er nie viel geschlafen hat während der Nacht und immer geweint hat.
Und auch wenns nur 8 Tage waren die wir nicht uneingeschränkt miteinander hatten, macht es mich immer noch traurig dass ich während der ersten Nächte nach seiner Geburt nicht bei ihm sein konnte und dass er ganz allein in einem Bett ohne seine Mama liegen musste und das ich nicht da sein konnte, um ihn zu trösten, wenn er geweint hat! Das tut mir auch total weh!
Ich kann dich verstehn und mir vorstellen dass es noch viel schlimmer ist wenn der Krankenhausaufenthalt noch länger dauert!
Alles Liebe!
Hallo!
Ich kann Dich beruhigen, was Du durchmachst ist völlig normal und es geht anderen Frühchenmamas genau so. Ich hatte einen Not-KS und konnte Isabella erst am nächsten Tag am Nachmittag sehen. Da sie auf der Intensiv lag, wurden wir auch oft hinausgeschickt, wenn sie bei einem anderen Baby einen Eingriff machen mussten. Da hatte ich jedesmal das Gefühl, dass mir Zeit mit meinem Kind gestohlen wird. Vielleicht tröstet es Dich, dass die psychischen Nachwirkungen der FG für die Mutter mit der Zeit besser werden. Gib Dir (viel) Zeit und Geduld. Alles Gute, Carmen
Liebe Pucci,
schreib es nieder, rede drüber. Immer wieder reden. Erzähle es einer Freundin, oder tu dich (nicht nur virtuell) mit anderen Frühchenmamis zusammen, und erzählt euch gegenseitig, wie es euch geht. Ich gehe schon so lange zu den Abenden unserer Gestose-Selbsthilfeg. und lerne immer noch was für mich.
Mit der Zeit verändert sich deine Sichtweise der Erlebnisse. Du kannst alles besser einordnen. Das dauert von Frau zu Frau unterschiedlich lang.
Scheue dich nicht, auch einen guten Psychologen, eine gute Psychotherapeutin aufzusuchen. (Ich wüsste in Wien jemanden, spezialisiert auf Schwangerschaft und Geburt und traumatische Erlebnisse)
Fühl dich gedrückt
und alles Liebe
Sabine aus Graz (Alexander 13.2.02, 33. Woche mit 1170g, Simon 19.11.03, 40. Woche mit 3000g)
jollybearmama
31.03.2006, 19:41
Ich hatte vor ein paar Wochen einen richtigen Nervenzusammenbruch.
Mein Sohn kam 9 Wochen zufrüh, nach 27 Std im Kreissaal wurde er dann per Section geholt. Ich konnte ihn erst 24 Std später besuchen gehen auf der Neo.
Obwohl das mein zweites Kind ist, hatte ich große Probleme mit der Geburt, die in meinen Augen keine war, sondern einfach eine Operation. Die lange Zeit bis ich mein Baby endlich sehen und berühren durfte war die schllimmste meines Lebens.
Die nächsten 5 Wochen, wo ich ihn auch "nur" besuchen konnte, waren die reinste Nervenqual aber danach dachte ich mir wird alles besser. Leider war dem nicht so, Woche für Woche wurde ich trauriger und irgendwann kam dann alles heraus aus mir. Mein Mann konnte mit meiner Agressivität und Unausgeglichenheit auch nicht mehr umgehen. Ich habe ihm dann meine Gefühle beschrieben, habe viel geweint, alles herausgewaschen sozusagen. Mit meinen Eltern habe ich auch darüber gesprochen und dann ist es endlich bergauf gegangen.
Ich werde die Stunden, die man bei einer "normalen Geburt" erleben darf, mein Leben lang vermissen :herz3:
obwohl ich meinen ersten Sohn spontan entbunden habe.
Ich kann mich sabine_h nur anschliessen, rede darüber, laß deinen Gefühlen freien Lauf. Mir hat das GsD sehr geholfen, ich habe auch schon versucht eine Selbsthilfegruppe zu finden, die ich jetzt aber nicht mehr brauche.
Menschen die weise Sätze wie: sei doch froh, es musste halt so sein dafür er ist gesund ect. kann man leider nicht erklären was in einer Mutter vorgeht und wie schwer es ist die unwiederbringliche Zeit nicht so sehr zu vermissen.
Alles Liebe und viel Kraft aber vor allem ein wunderschönes Leben mit deiner kleinen Anika :hug:
ClaudiaS
02.04.2006, 21:13
liebe pucci!
ich glaube, das geht (fast) allen frühchen-mamas so.
ich durfte zwar meine tochter frisch aus dem bauch heraus gleich mal bewundern, ihren ersten schrei hören und sie dann noch küssen, bevor sie auf die frühchenstation kam, im arm gehalten und das erste mal gestreichelt hab ich sie erst zwei tage später, da ich auf die intensivstation verlegt werden mußte. danach konnte ich sie wenigstens mehrmals am tag besuchen.
zum glück ging es ihr so gut, daß wir nach 10 tagen gemeinsam nach hause gehen durften. ich beneide mamas, die ihr baby gleich nach der geburt auf den bauch gelegt bekommen und bei sich haben dürfen sehr.
wie sabine_h schon geschrieben hat, es hilft wirklich, sich das von der seele zu reden/zu schreiben und mit anderen betroffenen zu sprechen.
ich wünsche dir alles gute!
lg claudia
speedyschlaumi
02.04.2006, 22:17
Kann "leider" auch mitreden - Ben kam 1 Monat zu früh - zwar hatte ich ihn nach der Geburt bevor ihn sich die Kinderärztin angesehen hat für ca. ne halbe Stunde aber danach wurde er dann auf die Neo verlegt! Er hat sogar an meiner Brust einmal gesaugt - das spätere Stillen hat ja nicht so geklappt! Leider :( - mein LG bekam das alles glaub ich nicht so mit bzw. fands nicht als so schlimm dass mein kleiner auf die Neo verlegt wurde bzw. konnte sich nicht in mich hineinversetzen! Als erstes ist die SS so schnell vorbei und danach kommt man auf die Station ohne Baby und ist einfach nur leer und sieht null! Danach das Bild auf der Neo mit den Schläuchen dran - ein Wahnsinn - ich möchte sowas niemanden wünschen - obwohl er ja so gesund war und ist sollte ich und bin ich auch froh aber das was ne normale Geburt ansich hat mit dem danach innig kuscheln und einfach nur bei ihm sein - dass fehlt und dem Kleinen natürlich auch! ich bin ca. 2 h danach gleich zu ihm rauf und dass sicher die ganze NAcht durch - solange ich halt immer jeweils durfte sodass er mich gespürt hat aber selbst das war mir zu wenig! Die Zeit die uns da fehlte bzw. abgeht wird immer fehlen - die erste Nacht - mahh i muss dabei heulen wenn i die Zeilen schreib! Reden und schreiben hilft sehr - kann mich meinen Vorschreiberinnen anschließen! Wenn halt nur öfter wer da wär - aber gsd gibts deshalb dieses Unterforum!!! Sorry ist jetzt lange geworden!
Hallo Pucci,
ich verstehe dich nur zu gut, mir geht es genauso.
Begonnen damit, dass ich den 24.11 noch nicht mal richtig verdaut habe, die plötzliche Diagnose rund um Dorian der schnelle Kaiserschnitt, nachdem ich beide nur ein paar Sekunden sehen durfte.
Dann die Sorge um Dorian, den ich erst am nächsten Tag wieder sah.
Valerian war 5 Tage im Inkubator, danach durfte ich wenigstens in mit Monitor bei mir haben.
Das schlimmste war dann am 11. Tag zwar mit Valerian die Klinik verlassen zu dürfen, aber Dorian 'zurück zu lassen'.
Dann noch die 3 Wochen, die Dorian auf der Neo verbrachte.
Bei Tristan, der auch 5 Wochen zu früh kam, aber spontan, ging es mir danach nicht so, immerhin durften wir da nach 6 Tagen gemeinsam nach Hause.
Umso intensiver habe die Zeit als die Zwillinge endlich vereint zu Hause waren verbracht, jede Sekunde war mir wichtig, am liebsten hätte ich garnicht geschlafen um auch nichts zu verpassen.
Aufschreiben, reden, besprechen etc, hilft sicherlich etwas, aber die Zeit ist trotzdem nicht wieder zurückholbar, damit werden wir uns wohl abfinden müssen.
Vielleicht erleben wir aber dadurch diese kleinen Wesen etwas intensiver und auf keinen Fall selbstverständlich!
*wink*
Betty
Hallo Pucci,
Komischerweise habe ich es nicht sowie du empfunden. Ich war nach den ganzen Problemen einfach irrsinnig glücklich meine Kinder endlich bei mir zu haben. Die Zeit im Spital war schwieriger, ich habe oft das Gefühl gehabt, ich kann nicht genug oft bei ihnen sein.
Was bei mir immer noch ist, ist ein schlechtes Gewissen, weil die Kinder zu früh gekommen sind. Das Gefühl ES nicht geschafft zu haben, die Erinnerung an die schmerzhafte Behandlung, die sie haben mitmachen müssen.
GSD sehe ich jeden Tag, wie sie glücklich sind, wie sie spielen, wie es ihnen gut geht....
Du fragst, ob deine Reaktion normal ist. Was wir erlebt haben, was unsere Kinder erlebt haben, ist nicht "normal". Es ist logisch, dass wir damit unsere Schwierigkeiten haben.
Alles Liebe :herz2:
Lucilie
AnnaEva25
04.04.2006, 19:17
Hmmm...
Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich nicht, dass ich seit der Geburt Zeit verloren hätte. Schließlich konnte ich mich Monate auf einen Kaiserschnitt vorbereiten und sprach auch immer mit meinem Kleinen. Ich erklärte ihm immer und immer wieder, dass er leider nicht selbst entscheiden dürfe, wann er auf die Welt kommt.
Dass er ein Frühchen werden würde, hatte ich ja auch nicht ahnen können, aber ich weiß, dass meine Gesundheit von dem frühen Kaiserschnitt abhing und eine kranke Mama wäre für meinen viel schlimmer gewesen.
Viel mehr fehlt mir die Schwangerschaft. Ich konnte sie eigentlich nicht o richtig genießen und außerdem wurde sie auch noch so jäh unterbrochen. Wenn ich jetzt eine Schwangere sehe, werde ich richtig wehmütig, und das, obwohl ich mein Baby im Arm halte! Viele Mütter "spüren" auch Monate nach einer Geburt noch ihre Babys im Bauch treten; mir aber fehlt dieses Gefühl.
Ich hoffe, noch einmal ein Kind bekommen zu dürfen und dann diese Schwangerschaft richtig genießen zu können.
Was das JETZT anbelangt, werfe ich alle "guten Vorsätze" über Bord. Warum soll er nicht bei mir im Bett schlafen dürfen? Warum soll ich ihn nicht dauernd herumtragen dürfen? Warum soll ich ihn nicht verwöhnen dürfen? Unsere Babys werden eh so schnell älter; ich möchte nicht in ein paar Jahren denken, dass ich auch hier etwas versäumt habe, nur weil ich mich daran gehalten habe, was "man tut" und was nicht.
Ich glaube, es ist für uns alle hier wichtig, unsere Gefühle, Ängste und Sorgen mit der Liebe zu unseren kleinen Frühchen zu kompensieren. Setz dich hin zu deiner kleinen Annika und schau ihr eine Stunde beim seligen schlafen zu; dann wirst du nur an das schöne "Jetzt" denken und nicht an das "Was wäre gewesen, wenn".
Viele liebe Grüße,
Anna
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